Freitag, 22. März 2019

Erfolgreiche Frauen der Wirtschaftsgeschichte Die Königin der Tupper-Parties

Erfolgreiche Frauen der Wirtschaftsgeschichte: Die Königin der Tupper-Parties
AP/Smithsonian Archives Center, National Museum of American History

Deutschland versucht mit der Quote, Frauen in die Top-Jobs der Wirtschaft zu bringen. In einer losen Reihe stellen wir Frauen vor, die sich mit ganz besonderen Fähigkeiten nach oben gekämpft haben. Brownie Wise hat dabei - ganz nebenbei - einen neuen Beruf für Frauen erschaffen.

Sie sind heute aus keinem Haushalt mehr wegzudenken: Kleine Plastikdosen, in die wir Schinken, Käse, Nüsse und Äpfel packen. Es gibt sie in allen Größen, Farben und Formen. Es gibt sie von x beliebigen Firmen. Aber seien wir ehrlich. Insgeheim tragen sie nur einen Namen: Tupper. Dass die amerikanische Firma ein Synonym für Haushaltswaren ist, hat sie vor allem einer Frau zu verdanken: Brownie Wise.

Als Earl Silas Tupper mit seinen Produkten Ende der 1930er Jahre in den USA auf den Markt kam, blieben sie in den Läden liegen. Dabei war seine Idee eigentlich erfolgsversprechend. Haushaltswaren aus robustem Kunststoff - unzerbrechlich, flexibel, leicht, einfach herzustellen. Ganz anders als die bisherigen Aufbewahrungsmittel aus Metall, Glas oder Porzellan. Doch die Menschen vertrauten dem Plastik nicht. Außerdem machten die Tupperdosen ein merkwürdig rülpsendes Geräusch beim Verschließen. Tupper machte sich auf die Suche nach neuen Vermarktungsstrategien. Und fand Brownie Wise.

Erfolgreich mit rülpsenden Plastikschüsseln

Die hatte wenig klassische Bildung vorzuweisen. Ein paar Jahre Schule, sonst nicht viel. Dafür eine Scheidung, ein Kind und drei mittelmäßige Jobs. Einer davon: Haushaltswaren in den Wohnzimmern ihrer Freundinnen verkaufen. Was heute oft belächelt wird, brachte ihr richtig Geld ein. So viel, dass sie sich nach ein paar Jahren allein darauf konzentrierte. Zu diesem Zeitpunkt verkaufte sie nicht mehr nur irgendwelche Waren. Sie verkaufte Tupper. Und brachte damit mehr Plastikdosen an die Frau als die meisten Geschäfte.

Tupperware musste den Kundinnen erklärt werden. Genau das konnte Brownie Wise sehr überzeugend. Sie warf den Frauen während ihrer Partys mit Flüssigkeiten gefüllte Plastikdosen zu oder stellte sich mit dem Fuß drauf. Earl Tupper war überzeugt. Er machte sie 1951 zur Vize-Präsidentin der neugegründeten Unternehmenssparte Tupperware Home Parties. Tupper verkaufte seine Produkte fortan nur noch im Direktverkauf, nicht mehr in Läden.

Die Party des Jahres: Im Acker nach Luxusuhren graben

Wises Konzept: Sie rekrutierte die Zielgruppe selbst, also primär Hausfrauen und Mütter, als Verkäuferinnen. Die Partys waren so ausgelegt, dass sie mit den ehelichen Pflichten der Frauen - die damals natürlich im Vordergrund standen - zusammenpassten. Und doch gaben sie den Frauen, die vielfach nicht akademisch gebildet waren, etwas, was ihnen sonst versagt blieb: Geld und öffentliche Anerkennung. Sie verdienten am Verkauf der Waren und wurden zusätzlich für besonderen Erfolg belohnt.

Einmal im Jahr lud Wise sie zum "Jubilee" ein und zeichnete sie für besonders gute Verkaufsergebnisse aus. Unter dem Jubel ihrer Ehemänner, die selbstverständlich auch eingeladen waren, gruben die Frauen einmal auf einem Acker nach Luxusuhren und anderen teuren Dingen. Eine Tupperlady zu werden, das war in dieser Zeit sehr modern.

Erste Frau auf dem Business-Week-Cover

Wise wurde die Tupperkönigin. Ihr Gesicht, ihr Name stand in den 50er Jahren für die Plastikdosen. Ihr Erfinder scheute das Rampenlicht und war zunächst froh, dass Wise diese Rolle übernahm. Sie wurde auf Marketing- und Verkaufskonferenzen eingeladen und war dort häufig die einzige Frau. 1954 schaffte sie es als erste Frau auf den Titel des Magazins Business Week. Wise zelebrierte ihren Erfolg mit einem großen Haus, extravaganter Kleidung, einem pinken Cabrio - und einem pink-gefärbten Kanarienvogel im Büro.

Doch 1958 warf Tupper sie raus. Die unterschiedlichen Temperamente und die Tatsache, dass sie in der Öffentlichkeit als die Besitzerin von Tupper wahrgenommen wurde, führten zum jähen Bruch. Da sie keine Firmenanteile hielt, musste sie sich mit einer Abfindung von 30.000 Dollar zufrieden geben. Das war ihr Jahresgehalt.

Sie versuchte sich im Direktvertrieb von Kosmetik und mit anderen Unternehmen. Aber nie konnte sie an ihren alten Erfolg anknüpfen. 1992 starb sie von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet. Die von ihr entwickelten Tupperpartys aber gibt es noch heute.

Dieser Artikel erschien zuerst auf BizzMiss - dem Business-Magazin für Frauen mit den Schwerpunkten Karriere und Work-Life-Balance. Einmal wöchentlich erscheint der Newsletter mit den interessantesten Lesetipps der Woche.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung