Freitag, 16. November 2018

So schmeckt der Sommer Vom Konsum-Hype in die Ladenpleite

So schmeckt der Sommer: Wie Konsum-Hypes zur Ladenfalle werden
Corbis

Smoothies, Bubble Tea, Frozen Joghurt, Waffel am Stiel: Gerade noch eröffnet an jeder Ecke ein Laden mit dem neuesten Trendprodukt, da ist der Hype schon wieder vorbei. Welcher Kulttrend jetzt Deutschland erobert - und wer daran verdient. Zumindest ein paar Tage lang.

Hamburg - Zuckriger, koffeinhaltiger Tee. Extra viel Farbstoff und Geschmacksverstärker. Bunte Geleekugeln, dicke Plastikstrohhalme und Wegwerfbecher in futuristisch-asiatisch angehauchten Läden: Bubble Tea hatte nach Jahren der Öko-Bionade-Sommer alles, was es zum neuen Kultgetränk brauchte. Denn gesundheitsbewusste Eltern fielen schon bei der Lektüre der Bubble-Tea-Zutatenlisten vor Schreck in Ohnmacht - großartig, befand die prä- bis postpubertäre Zielgruppe zwischen zehn und 25 Jahren. Das reichte.

Nahezu wöchentlich eröffneten in Deutschlands Innenstädten neue Bubble-Tea-Shops. In langen Schlangen wartete die meist jugendliche Kundschaft vor den Läden, um für drei bis sechs Euro einen Becher Zuckerwasser zu kaufen. Und der Trend wurde zum lukrativen Hype.

Noch zum Sommeranfang 2012 sprangen viele Unternehmensgründer auf den Zug auf: Sie eröffneten eigene kleine Blubbertee-Läden, ließen sich von einem der zahlreichen spezialisierten Zulieferer mit dem nötigen Equipment und Zutaten versorgen. Oder sie schlossen sich gleich einem der frisch gegründeten Franchise-Systeme wie Botea oder Bobo Q an. "Der Reiz, mit einem eigenen Laden auf dem Markt mitzumischen, war einfach sehr groß, so lange der Trend anhielt", sagt Gerhard Bach, Gründerberater aus Stuttgart. "Die Läden schienen Selbstläufer zu sein, man musste kaum etwas in Geräte und Equipment investieren, brauchte kaum Personal, die Produktion war simpel, die Margen gigantisch, das Produkt ging in wenigen Sekunden über die Theke."

Bubble Tea avancierte damit auch zu einem Bubble-Profit, und das im doppelten Sinne des Wortes: Schon im Spätsommer des vergangenen Jahres kippte der Trend wieder. Bubble Tea war plötzlich so out, wie der Tee-Traum vorher in war - zum Schaden der verspäteten Trittbrettfahrer des Konsum-Hype-Zyklusses. Denn wer langfristige Verträge mit Franchise-Systemen eingegangen war, konnte im Abschwung nicht ohne weiteres wieder aussteigen. Mit etwas Pech wurde aus dem Bubble-Profit ein Bubble-Verlust.

Schnell da und noch schneller wieder weg

Der rasante Auf- und Abstieg in der Gunst der Kunden sei typisch für solche plötzlich auftauchenden Kultprodukte sagt Gründerberater Bach: "Immer wenn so ein Trend sichtbar wird, häufen sich bei uns plötzlich die Anfragen von Gründern, die mitmachen wollen." Meist müssen die Gründerberater dann abraten. "In so einen Markt darf man eigentlich nur reingehen, wenn man ein oder zwei Jahre lang viel Geld machen und dann wieder raus will", sagt Bach.

Beispiele für weitere Hypes gefällig - und die vielleicht kommenden?

Der Bubble-Tea-Shopwelle ging der Superzyklus der Smoothie-Läden voraus. Nach den Bubble Tea kam das Revival des Frozen Joghurt; der will eine vermeintlich gesündere Alternative zum Eis sein, lockt allerdings mit "Toppings", die verführerisch bunt und so supersüß zuckrig sind wie die einst geschmähten Tee-Kügelchen.

Angesagter ist inzwischen aber ein Retro-Trend: Waffelläden wie "Wonder Waffel" verkaufen Hipstern vegane Waffeln mit hausgemachten Soßen und frischen Früchten als "Obst-Döner". Waffeln am Stiel sind ebenfalls im Kommen. Französische Friands, raunt man unter Backwarenverkäufern, sind die neuen Cupcakes. Wer diesen Sommer trendbewusst grillt, packt auch kein schnödes Würstchen auf den Grill, sondern erlernt im teuren Barbecue-Kurs das fachgerechte Smoken, den Umgang mit Dry Aged Beef oder gleich das vegane Grillen.

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