Dienstag, 24. Mai 2016

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Ministererlaubnis für Edeka/Tengelmann Gabriel hat richtig entschieden - aber aus den falschen Gründen

Edeka schluckt Kaiser´s-Tengelmann: Das Arbeitsplatzargument ist wenig überzeugend

Es war letztlich nicht mehr die ganz große Überraschung: Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat am Dienstag die Bedingungen spezifiziert, unter denen er die Übernahme der Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte durch Edeka genehmigen will. In erster Linie geht es bei den Bedingungen um den Erhalt der 16.000 Arbeitsplätze und die Weiterführung der Geschäfte als zentral gesteuerte Filialen für mindestens fünf Jahre.

Die Entscheidung des Ministers, die Fusion freizugeben, ist prinzipiell richtig - wenn auch aus den falschen Gründen. Warum?

Eine Ministererlaubnis kann erteilt werden, wenn es so starke Gemeinwohlgründe gibt, dass diese schwerer wiegen als die negativen Wettbewerbseffekte, die durch eine Fusion zu erwarten wären. Wie die Monopolkommission in ihrem Sondergutachten zu dem Thema überzeugend dargelegt hat, ist das Arbeitsplatzargument wenig überzeugend. Erstens ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland nach wie vor sehr niedrig.

Justus Haucap
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    Justus Haucap ist Professor für Volkswirtschafts-lehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Gründungsdirektor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) und war bis 2012 Vorsitzender der Monopolkommission.
Zweitens käme es - wenn überhaupt - nicht zu einer regionalen Ballung von Entlassungen. Und drittens werden die Konsumenten nach wie vor irgendwo ihre Lebensmittel einkaufen, das heißt, an anderer Stelle würden zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigt. Insgesamt gesehen wären also die Arbeitsplatzverluste wohl recht gering, wenn Edeka die Filialen von Kaiser's Tengelmann nicht übernehmen dürfte.

Gleichwohl ist Gabriels Entscheidung richtig, denn es wird kaum negative Wettbewerbseffekte geben. Im Gegenteil: Der Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel wird durch die Fusion sogar weiter zunehmen.

Zur Transparenz: Ich selbst war - im Auftrag von Tengelmann - gutachterlich in das Verfahren eingebunden, die Wettbewerbseffekte einer etwaigen Fusion mit Edeka zu ermitteln.

Folgendes zeigte sich: Der wesentliche Wettbewerbsdruck wird nicht von Kaiser's Tengelmann auf Edeka und Rewe ausgeübt, sondern von Discountern wie Lidl und Aldi. Dieser Druck nimmt sogar noch zu, seitdem diese verstärkt Markenartikel in ihr Sortiment aufnehmen, und betrifft vor allem preissensible Kunden. In Großstädten wie München und Berlin kommt auf der anderen Seite ein zunehmender Wettbewerbsdruck durch die stark expandierenden Bio-Supermärkte dazu, die vor allem qualitätsbewusste Verbraucher anziehen.

Kaiser's Tengelmann spielt hingegen eine absolut untergeordnete Rolle. Schon heute ist die Kette meist teurer als Edeka und Rewe, zudem sind die Märkte oft weniger attraktiv gestaltet, auch deswegen schrumpfen die Marktanteile von Kaiser's Tengelmann seit einiger Zeit. Kaiser's Tengelmann hechelt im Wettbewerb faktisch hinterher und kann keine echten Wettbewerbsimpulse mehr setzen, auch deswegen ist die Kette seit Jahren defizitär.

Die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit hat zwei Ursachen: Zum einen sind dies Nachteile bei Verwaltungs- und Logistikkosten - die Kette ist einfach zu klein. Zum anderen zeigt sich, dass das Genossenschaftsmodell von Edeka und Rewe einer zentralen Steuerung der Supermärkte wie bei Kaiser's Tengelmann deutlich überlegen ist.

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