Freitag, 9. Dezember 2016

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Übernahmekampf Edeka steigt aus dem Machtkampf um Deutschlands größten Weinhändler Hawesko aus

Jacques' Wein-Depot in Hamburg

Vorstandschef Alexander Margaritoff kämpft gegen die Übernahme seines Weinhändlers Hawesko durch den Unternehmer Detlev Meyer. Nach dem Finanzinvestor Permira holte er sich nun auch in der Handelsbranche eine Abfuhr. Die Zeit für ihn wird knapp.

Edeka hat einen Einstieg in den Machtkampf um Deutschlands größten Weinhändler Hawesko Börsen-Chart zeigen ("Jacques'Weindepot") kurz vor dessen Showdown abgelehnt. Haweskos Vorstandschef und Großaktionär Alexander Margaritoff hatte den Hamburger Einzelhandels-Koloss (Umsatz 2013: 46,2 Milliarden Euro) nach Informationen von manager-magazin.de zu Hilfe gerufen, um eine ihm unliebsame Übernahme abzuwenden.

Margaritoff, dem 30 Prozent der von seinem Vater gegründeten Firma gehören, kämpft seit Monaten mit dem Unternehmer Detlev Meyer um die Macht in dem Unternehmen mit einem Umsatz von zuletzt gut 450 Millionen Euro. Meyer hatte im November 40 Euro je Hawesko-Anteil geboten und seinen Anteil damit auf rund 34,5 Prozent der Anteile aufgestockt. Kern des Konflikts: Margaritoff will stürmisch wachsen, Meyer eher schrittweise.

Zuletzt hatte Margaritoff für den 26. Januar eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, auf dem er spätestens einen Investor präsentieren wollte, der mehr als 40 Euro je Aktie bietet und seine Strategie stützt. Wirbt Margaritoff bis zu diesem Tag keinen rettenden Investor an, wird Meyer das Aktionärstreffen mit seiner relativen Mehrheit voraussichtlich dominieren. Vor den Sondierungen mit Edeka hatte Margaritoff bereits erfolglos um den Finanzinvestoren Permira geworben.

Margaritoff hatte Edeka gedrängt, ein Angebot möglichst rasch vorzulegen, damit die Finanzaufsicht BaFin noch genügend Zeit für die Prüfung vor der außerordentlichen Hauptversammlung geblieben wäre. Im Gespräch waren nach Informationen von manager-magazin.de rund 45 Euro. Allerdings hätten die Edeka-Verantwortlichen dafür zuvor Einblick in die Bücher von Hawesko nehmen müssen - was dessen Vorstand wohl nur unter der Maßgabe zugelassen hätte, dass ein Angebot dann auch tatsächlich kommt. Schließlich ist Edeka Wettbewerber und Kunde von Hawesko. Vor wenigen Tagen beerdigten beiden Seiten das Projekt.

Findet Margaritoff keinen Ersatz, hätte der Vorstand die Möglichkeit, die außerordentliche Hauptversammlung wieder abzusagen.

Auch innerhalb des Vorstands wird es für Margaritoff enger. Anfang Januar haben sich nach zwei Neuberufungen zu Gunsten von Meyer die Machtverhältnisse grundsätzlich geändert. Gab Margaritoff bislang den Ton an, könnte er nun im Zweifel nun eine Mehrheit gegen sich haben. Die beiden neuen Mitglieder Alexander Borwitzky (stationärer Facheinzelhandel; kam für Bernd Hoolmanns) und Nikolaus von Haugwitz (Versandhandel) sind vor allem auf Drängen Meyers in den Vorstand gekommen. Deshalb haben sie auch eine natürliche Sympathie für ihn. Ebenfalls zur Meyer-Fraktion zählt Bernd Siebdraht, der Anfang Januar seine Hawesko-Aktien an Meyer verkauft hatte. An der Seite von Margaritoff steht dagegen fest nur noch Finanzvorstand Ulrich Zimmermann.

Hawesko lehnte einen Kommentar ab. Ein Edeka-Sprecher schrieb auf Anfrage, ihm sei von Sondierungen nichts bekannt. Edeka habe aber auf jeden Fall "nicht die Absicht (...), ein Angebot für Hawesko zu unterbreiten".

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