Dienstag, 23. Oktober 2018

Kein Frieden im Preiskampf Edeka weitet Boykott gegen Nestlé aus

Edeka ist mit 50 Milliarden Umsatz die Nummer Eins im deutschen Lebensmittelhandel. Beim Kampf um geringere Preise zeigt sich der genossenschaftlich organisierte Konzern im Verbund mit anderen Händlern weitaus weniger freundlich als in seiner Werbebotschaft und weitet jetzt seinen Einkaufsboykott gegen Nestlé aus

Der Streit um bessere Einkaufskonditionen zwischen Edeka und Nestlé eskaliert. Edeka fordert seine 5900 Märkte auf, noch mehr Produkte des Schweizer Nahrungmittelriesen aus den Regalen zu nehmen.

Der Streit um bessere Einkaufskonditionen zwischen Deutschlands größten Lebensmittelriesen Edeka und dem Schweizer Konzern Nestlé spitzt sich zu. Nach Informationen der "Lebensmittel-Zeitung" fordert Edeka seine gut 5900 Filialen auf, weitere Artikel des Nahrungsmittelherstellers aus dem Regal zu nehmen.

Betraf der Bestell-Boykott zuvor 163 Produkte und somit gut 20 Prozent des Umsatzes mit Nestlé-Produkten würde der Anteil jetzt auf 30 Prozent steigen, heißt es in dem Bericht. Betroffen von dem Bann seien viele Warengruppen, darunter Tiefkühlpizza (Wagner), Schokoriegel (Kitkat) und Getränke (Vittel).

Die Edeka-Gruppe hatte den Boykott Ende Februar gemeinsam mit ihren fünf Partnern des europäischen Händlerbündnisses Agecore begonnen, weil Nestlé angeblich anderen Einkaufskooperationen bessere Konditionen bietet. In dem Streit zeige sich der von dem Deutschen Ulf Mark Schneider geführte Konzern aber unnachgiebig. Deshalb erhöhe Edeka nun den Druck.

Schätzungen zufolge erzielt Nestlé über die Läden des Agecore-Bündnisses 10 Prozent seines Europa-Umsatzes. 900 Millionen Franken soll der Nahrungsmittelriese allein in Deutschland über Marktführer Edeka einspielen.

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Ulf Mark Schneider

Auf dem hart umkämpften Markt für Lebensmittel in Deutschland sind Konflikte mit den Herstellern keine Seltenheit. Dass ein Streit mit fortgesetzten Boykottaufrufen aber so eskaliert und dann auch noch öffentlich ausgetragen wird, ist nach Einschätzung von Analysten allerdings selten.

Nestlé-Chef Schneider scheint in dem Konflikt aber nicht klein beigeben zu wollen. Schließlich will und muss der Deutsche den Nahrungsmittelriesen verstärkt auf Profit trimmen - da können sich kleinste Preisunterschiede eines riesigen Sortiments in Summe schon beträchtlich auswirken.

Im vergangenen Jahr trat der Hersteller von Nespresso, KitKat oder Maggi mit rund 90 Milliarden Schweizer Franken Jahresumsatz quasi auf der Stelle. Zugleich aber rutschte der Konzerngewinn um etwa ein Sechstel auf 7,2 Milliarden Schweizer Franken ab.

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