Samstag, 17. November 2018

Eddie Lamperts Pleite-Kurs bei Sears Dieser Milliardär zerlegt Amerikas Wirtschaftsikone Sears

Eddie Lampert (Bild von 2004)

Den Chefposten von Sears hat Eddie Lampert mit sofortiger Wirkung abgegeben - eine Konsequenz aus der Pleite, in die der 56-Jährige den einst riesigen Handelskonzern geführt hat. Ob das Unternehmen saniert wieder aus der Insolvenz herauskommen kann, hängt nun besonders von einem Mann hab: Eddie Lampert.

Lampert behält seinen Posten als Chairman, er ist zudem der größte Aktionär mit 31 Prozent der Anteilsscheine. Weitere 18,5 Prozent hält sein Hedgefonds ESL, der außerdem größter Gläubiger von Sears ist und den 2,5 Milliarden Dollar Darlehen laut Lamperts Sanierungsplan weitere Schulden hinzufügen soll. Im Gegenzug darf er dann die noch als verwertbar geltende Sears-Eigenmarke für Haushaltsgeräte Kenmore versilbern. Altschulden hingegen würden abgeschrieben und in - kaum noch wertvolle - Aktien umgewandelt.

Der Insolvenzantrag des einst größten Arbeitgebers der USA markiert eine Zäsur, doch nach diesem Muster verfährt das Management, seit Lampert 2004 Sears und Kmart zusammenlegte. Der damals als Finanzgenie gefeierte Milliardär versprach eine neue Macht im Einzelhandel, doch stattdessen wurden die von der Branchenkrise erfassten Filialketten immer weiter zerlegt.

Etliche brauchbare Assets sind bereits verkauft, von mehr als 300.000 Beschäftigten sind keine 90.000 mehr übrig, von mehr als 4000 Filialen keine 900 mehr. Der aktuelle Plan sieht weitere radikale Schnitte noch während des Weihnachtsgeschäfts vor - das komplette Aus ist kaum noch entfernt, wie das Beispiel des Spielwarenriesen Toys R Us zeigt.

Der Siegeszug von Amazon Börsen-Chart zeigen bildet den Hintergrund für das Sterben der Firmen, wenngleich Sears als Pionier des Versandhandels einst selbst disruptiv war. Doch Lamperts Managementstil hat ebenfalls viele Kritiker gefunden. Der Hedgefondskollege Robert Chapman nennt die Sears Holding "a total shit show", das Unternehmen sei schon lange insgeheim im Liquidationsmodus. Der Wall-Street-Mann Lampert habe nie das Überleben von Sears im Sinn gehabt.

Das Geld der Pensionsfonds für die hunderttausenden Ex-Angestellten wurde zu einem großen Teil in eigene Aktien investiert, die dann fast ihren kompletten Wert verloren. Jeder Teilverkauf brachte jedoch auch Sonderdividenden für Lampert und seine Getreuen. Bis zu seiner Berufung als Trumps Finanzminister saß auch Steve Mnuchin jahrelang im Board, ein Studienfreund Lamperts aus Yale und Kollege in der frühen Blitzkarriere bei Goldman Sachs.

Neil Saunders, einer der letzten verbliebenen Analysten, die Sears noch auf dem Zettel haben, schrieb kürzlich: "Finanzakrobatik schön und gut, aber das Unternehmen ist im Einzelhandelsgeschäft und ohne einen klaren Einzelhandelsplan hat die Firma einfach keinen Existenzgrund."

Gegenüber "Vanity Fair" nannte Mark Cohen, Wirtschaftsprofessor und Ex-Chef der abgespaltenen Tochterfirma Sears Canada, Lampert einen "Zauberer hinter dem Vorhang". Cohen behauptete, Lampert betretete die Zentrale von Sears so gut wie nie, sondern agiere meist von seiner Luxusvilla in Florida aus.

Dem Magazin gab auch der sonst verschwiegene Lampert selbst ein Interview, angeblich das erste seit 15 Jahren. Der Fan der anarchokapitalistischen Autorin Ayn Rand zeigt sich unbeirrt, auch wenn er etwas Spielraum für Kritik einräumt: "Über eine lange Zeit wurden eine Menge Entscheidungen getroffen, auch von mir, die nicht immer die bestmöglichen Entscheidungen gewesen sein mögen."

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