Samstag, 23. Februar 2019

Dritter Streik Verdi will Amazon zermürben

Streik bei Amazon in Leipzig: "Die Unordnung nimmt zu", sagt ein Verdi-Vertreter

Im Streit um höhere Löhne beim weltgrößten Internet-Versandhändler Amazon erhöht die Gewerkschaft Verdi den Druck mit weiteren Warnstreiks. "Wir haben einen langen Atem", sagt ein Verdi-Vertreter - und sieht bereits erste Erfolge.

Bad Hersfeld - Beim Internet-Versandhändler Amazon in Bad Hersfeld und Leipzig sind am Montagmorgen mehrere hundert Mitarbeiter der Frühschicht in den Streik getreten. "Er wird den ganzen Tag bis zum Ende der Spätschicht um 22.30 Uhr dauern", sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi. Es ist der dritte Streik innerhalb von gut drei Wochen bei Amazon.

Die Gewerkschaft fordert von Amazon Börsen-Chart zeigen einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Dann hätten die Beschäftigten in Deutschland unter anderem Anspruch auf einen Stundenlohn von über zwölf Euro sowie auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Das US-Unternehmen lehnt dies ab und orientiert sich nach eigenen Angaben an der Bezahlung in der Logistikbranche. "Es ist nicht akzeptabel, dass Amazon als der größte Online-Versandhändler keiner Tarifbindung unterliegt", teilte Verdi mit. Seit dem ersten Streik habe sich Amazon nicht bewegt.

Verdi-Vertreter: "Haben einen langen Atem"

In Bad Hersfeld äußerte sich Verhandlungsführer Heime Reimann am Montag "sehr zufrieden". Mehr als die Hälfte der Belegschaft nehme an dem Warnstreik teil. "Ich lade die Kunden von Amazon ein, die Lieferzeiten zu beobachten", sagte er zu den Auswirkungen des Streiks. Amazon setze bereits Lieferzeiten hoch und storniere Bestellungen.

Am Standort Leipzig beteiligten sich 200 Beschäftigte an dem Ausstand, wie Jörg Lauenroth-Mago von Verdi sagte. Im Laufe des Tages kämen noch mehr dazu. "Ich glaube, dass die Unordnung im Betrieb zunimmt", sagte er. "Wir sind uns klar darüber, dass auch mit diesem dritten Streiktag der Verhandlungstisch noch nicht greifbar wird. Aber darauf sind wir vorbereitet. Wir haben einen langen Atem."

In Leipzig arbeiten rund 2000 Menschen für Amazon, 800 davon befristet. In Bad Hersfeld sind es rund 3300 Mitarbeiter, 1300 von ihnen haben laut Verdi einen befristeten Vertrag.

Insgesamt betreibt Amazon in Deutschland acht Logistik- und Versandzentren, dazu zwei Kundenzentren für die Bestell- und Bezahlvorgänge sowie eine Zentrale in München. Amazon ist der weltweit führende Onlinehändler. Der Konzern beschäftigt in Deutschland 9000 Mitarbeiter, weltweit mehr als 88.000.

ts/dpa-afx/rtr/afp

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