Dienstag, 12. Dezember 2017

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Brüssel betreibt de-facto-Verbot Deutschland zittert um den Döner

Gibt es bald keinen Döner mehr?
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Gibt es bald keinen Döner mehr?

Deutschland ist in Europa die Döner-Macht schlechthin - etwa 80 Prozent der Spieße stammen aus der Bundesrepublik. Doch nun droht die große Döner-Krise: Ausgerechnet Sozialisten und Grüne in Brüssel wollen die Produktion des Fleisch gewordenen Multikulti-Symbols massiv beeinträchtigen.

Denn das Europaparlament könnte demnächst die geplante Zulassung von Phosphaten in Döner-Fleisch verhindern. Das Parlamentsplenum wird in der Woche ab dem 11. Dezember über einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission abstimmen, wie die Volksvertretung mitteilte. Im zuständigen Umweltausschuss hatten sich zuvor vor allem Abgeordnete der sozialistischen, grünen und liberalen Fraktionen gegen die Änderung ausgesprochen.

Der Zusatz von Phosphaten in verarbeitetem Fleisch ist dem Europaparlament zufolge in der EU derzeit nicht grundsätzlich erlaubt. Aufgrund bestehender Regulierungslücken und Ausnahmen werden sie allerdings genutzt, um das Austrocknen von Fleisch zu verhindern und den Geschmack länger zu erhalten. Der Umweltausschuss des Parlaments verwies nun darauf, dass es einigen Studien zufolge Gesundheitsbedenken beim Einsatz von Phosphaten in Nahrungsmitteln gebe.

Diskriminierung? Was für Döner gelten soll, gilt für Kasseler nicht

Die EU-Kommission hatte im September vorgeschlagen, die Zusätze zu erlauben. Die EU-Staaten müssen darüber befinden. Das Europaparlament kann allerdings mit einer absoluten Mehrheit von 376 Stimmen ein Veto gegen die Änderungen einlegen. Sollte dies geschehen, würde sich an der bestehenden Gesetzeslage zunächst nichts ändern. Die EU-Kommission könnte gegebenenfalls neue Änderungen vorschlagen, die neuerdings geprüft werden müssten.

Die "Bild" hatte zuvor berichtet, dem Döner drohe wegen des möglichen Parlaments-Vetos das Aus. Das Blatt witterte eine Diskriminierung des Döner - in tiefgekühlten Bratwürsten und Kasseler seien Phosphate erlaubt.

Die deutsche Döner-Industrie setzt früheren Angaben der "Frankfurter Rundschau" zufolge etwa 3,5 Milliarden Euro im Jahr um. In der Branche beschäftigt sind in 16.000 Buden laut einer Schätzung des Zentrums für Türkeistudien etwa 60.000 Menschen - dreimal so viele wie beispielsweise in der Braunkohle.

nis/dpa

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