Dienstag, 11. Dezember 2018

Preiskampf der Drogisten Warum dm bei Rossmann shoppen geht

dm-Filiale: Manche Waren kauft die Drogeriemarktkette ganz gerne bei der Konkurrenz

Der harte Preiskampf unter den Drogisten treibt seltsame Blüten: Marktführer dm kauft Schnäppchen bei Rossmann und verkauft sie seinen Kunden. Der Konkurrent revanchiert sich mit einem Einkaufsverbot. Am Ende könnten alle verlieren, warnen Verbraucherschützer.

Ein normaler Einkauf war das nicht: 28 Perwoll-Waschmittel, 25 Odol-Mundwasser und 75 Guhl-Shampoos. Mit zwei derart gefüllten Einkaufswagen stand eine Kundin an der Kasse einer Rossmann-Filiale im nordrhein-westfälischen Bedburg nahe Kleve. Die haushaltsübliche Menge sieht anders aus, dachte sich die Filialleiterin - und wies der Frau die Tür: "Diese Kundin bekommt hier nichts", soll sie durch den Laden gerufen haben.

Für die Rossmann-Angestellte war klar: Sie hatte eine Mitarbeiterin des Drogeriemarktes dm vor sich. Denn der Marktführer aus Karlsruhe ist an manchen Tagen auf Shoppingtour bei der Konkurrenz. Nicht nur bei Rossmann, sondern auch bei anderen Discountern, wenn die die gleichen Produkte sehr viel billiger anbieten als dm.

Seit einigen Monaten "informiert" die dm-Geschäftsführung regelmäßig ihre Mitarbeiter, wo es sich am günstigsten einkaufen lässt. Die Schnäppchen, die Angestellte bei der Konkurrenz erstehen, werden dann ins eigene Regal gestellt und an dm-Kunden verkauft.

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"Es ist kein Geheimnis, dass der Preiskampf im Einzelhandel und auch zwischen Drogerieketten mit harten Bandagen geführt wird", sagt Linn Selle, Handelsreferentin bei der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Seit der Schlecker-Pleite im Jahr 2012 wetteifern vor allem die Drogeriegiganten dm (Umsatz 2016 in Deutschland: 7,6 Milliarden Euro) und Rossmann (6,1 Milliarden Euro) miteinander und eröffnen immer mehr neue Märkte.

Deutsche Drogisten
Die Drogeriemarktkette dm steht seit der Schlecker-Pleite 2012 an der Spitze der Branche in Deutschland. Die Karlsruher verzeichneten im Kalenderjahr 2016 mit 38 890 Mitarbeitern in 1850 Filialen bundesweit einen Umsatz von 7,6 Milliarden Euro. Größter Konkurrent ist Rossmann aus dem niedersächsischen Burgwedel, der in Deutschland rund 6,1 Milliarden Euro Umsatz macht mit 30 000 Mitarbeitern in 2055 Märkten. Klassische Drogeriemärkte sind außerdem Müller und Budnikowsky. Im Ringen um Marktanteile haben es die Drogisten aber auch mit Discountern und Lebensmittel-Einzelhändlern zu tun: Nach wie vor werden mehr als die Hälfte aller Drogeriewaren nicht in Drogeriemärkten gekauft.

Die Schnäppchenjagd bei der Konkurrenz ist aus Sicht des Verbandes aber eine "neue Entwicklung". Und sie sorgt für Aufregung in der Branche, beobachtet die "Lebensmittel Zeitung". Auch wenn der Hamburger Drogist Budnikowsky nun auf Nachfrage schweigt - vor einigen Wochen fand er in dem Fachblatt deutliche Worte: Ein solches Vorgehen sei "mit dem Verständnis des ehrbaren Kaufmanns" nicht vereinbar.

Bei dm sieht man sich zu Unrecht am Pranger: "Es sind die aggressiven Methoden der anderen, die uns zwingen, damit angemessen umzugehen", sagt dm-Chef Erich Harsch. Im Gegensatz zur Konkurrenz mit ihren Sonderangeboten und Rabattaktionen zielten die Karlsruher auf faire Dauerniedrigpreise. "Die Wettbewerber setzen dem eine Lock- und Verführmechanik entgegen. Mit Angeboten, die teils unter unserem Einstandspreis liegen", so Harsch. "In solchen Fällen informieren wir unsere Filialen: Wenn Ihr günstig einkaufen wollt, da gibt es im Moment günstigere Angebote als in unserem Standardprozess. Die Filialen können dann frei entscheiden, ob und wie sie diese Information nutzen."

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