Mittwoch, 20. September 2017

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Störfeuer vor Börsengang Lieferando geht gegen Delivery Hero vor

Muss aufpassen: Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg.
Jussi Ratilainen / Delivery Hero
Muss aufpassen: Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg.

Mit einem der größten deutschen Börsengänge seit Jahren will der Bestelldienst Delivery Hero am Freitag knapp eine Milliarde Euro einnehmen. Doch einen Tag vor dem Börsengang gibt es Störfeuer aus dem Lager des größten deutschen Rivalen Lieferando: Der Konkurrent hat nach Informationen von manager-magazin.de vor Gericht eine einstweilige Verfügung erwirkt.

Danach hat das Hamburger Landgericht Delivery Hero untersagt, zu behaupten: "Delivery Hero nimmt in Deutschland die Position Nr. 1 ein". Bei Zuwiderhandlung drohen Delivery-Hero-CEO Niklas Östberg ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro oder eine Ordnungshaft bis zu 6 Monaten.

Mit der Gerichtsentscheidung trifft Lieferando den Rivalen Delivery Hero unmittelbar vor dem Börsengang an einem wunden Punkt: Denn das Deutschland-Geschäft gehört zu den Schwachpunkten der Delivery Hero-Gruppe (Lieferheld, Pizza.de, Foodora). Pizza.de hat seine einstige Markführer-Rolle verloren, Konkurrent Lieferando konnte im vergangenen Jahr schneller wachsen als Pizza.de und Lieferheld. Für Morgan Stanleys Analysten ist es nur eine Frage der Zeit, bis Lieferando Delivery Hero auf deren Heimatmarkt auch als Gruppe überholt. Dass Lieferando darauf nun das Schlaglicht richtet, könnte den Börsenstart von Delivery Hero in den kommenden Tagen belasten - und damit die Einstellung einiger Investoren zu der Aktie insgesamt prägen.

Beide Unternehmen behaupten in Deutschland die Nr. 1 zu sein. Die Logik der Takeaway-Gruppe, zu der Lieferando gehört: Lieferando ist die größte Online-Bestellplattform in Deutschland.

Delivery Hero bestreitet dies nicht, argumentiert aber, dass alle zur Delivery Hero-Gruppe gehörenden Plattformen zusammengerechnet der Marktführer sind. Das Hamburger Landgericht sieht das allerdings anders.

Delivery Hero erklärte gegenüber manager-magazin.de, man werde sich gegen diese einstweilige Verfügung zur Wehr setzen. "Delivery Hero hält die Entscheidung in der Sache für falsch, und die relevanten Aussagen für unzutreffend." Die einstweilige Verfügung werde keine Auswirkung auf den Börsengang (IPO) haben. Die Takeaway-Gruppe erklärte, sich prinzipiell nicht zu rechtlichen Themen zu äußern.

Lieferando hatte die einstweilige Verfügung dem Vernehmen nach bereits am 13. Juni beantragt. Delivery Hero soll die beanstandete Image-Broschüre inzwischen entfernt haben.

Die Rivalitäten zwischen beiden Lieferdienst-Gruppen sind historisch stark ausgeprägt: Delivery Hero hatte einst Lieferando übernehmen wollen, doch in der Nacht vor dem Notartermin hatte sich die Lieferando-Führung stattdessen für die niederländische Takeaway-Gruppe als Käufer entschieden.

Trotzdem gab es in der Zeichnungsfrist der vergangenen Tage einen regelrechten Run auf die Delivery Hero-Aktien: Schon nach dem ersten Tag soll der Börsengang dreifach überzeichnet gewesen sein.

Der Ausgabepreis wurde am Donnerstag mit 25,50 Euro am oberen Ende der Preisspanne festgelegt. Damit wäre die Delivery-Gruppe mit 4,4 Milliarden Euro bewertet - deutlich mehr, als Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg eigentlich angestrebt hatte. Vor einigen Wochen hatte er dem manager magazin noch gesagt, sein Herangehen sei "Tiefstapeln und die Erwartungen übertreffen."

Auch im Unternehmen räumen einige ein, dass die Bewertung wenig Luft nach oben lasse. Intern soll Östberg versuchen, die Euphorie zu bremsen. Liefert Delivery Hero nun nicht, droht der Absturz der Aktie. Im vorbörslichen Handel wurde die Aktie am Donnerstagmorgen mit einem Aufschlag von rund 3 Prozent gehandelt.

Von dem Börsengang profitiert unter anderem Rocket Internet. Die Beteiligungs-Firma von Oliver Samwer reduziert ihr Aktienpaket an Delivery Hero von 34,2 auf 24,4 Prozent - und wird dafür voraussichtlich rund 264 Millionen Euro einnehmen.

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