Sonntag, 26. Juni 2016

Havarierter Containerriese auf der Elbe Riesige Schiffe,riesige Probleme

Elbe: Havarie vor dem Hamburger Hafen
Fotos
DPA

Hamburg und Umgebung sind zurzeit um eine Attraktion reicher: Ein riesiges Containerschiff ist in der Elbe auf Grund gelaufen, eines der größten der Welt. Seit Mitte vergangener Woche liegt der grüne Koloss nahe der Elbinsel Lühesand und rührt sich nicht von der Stelle. Mehrere Schlepper haben sich an dem Schiff bereits vergeblich abgemüht. Schaulustige sammeln sich in großer Zahl am Ufer, schießen Fotos und verstopfen mit ihren Autos die Straßen, wie Anwohner berichten.

Die Havarie des Ozeanriesen, der wegen eines Ruderschadens außer Kontrolle geraten war, ist allerdings nicht nur ein sehenswertes Ereignis, das Fachleute und Laien gleichermaßen in seinen Bann zieht. Sie wirft vielmehr ein Schlaglicht auf die Entwicklung der Containerschifffahrt, die auch aus Sicht der Hafenbetreiber in mancher Hinsicht bedenkliche Züge angenommen hat.

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise befindet sich die weltweite Handelsschifffahrt in einer schwierigen Phase. Die Frachtraten stehen dauerhaft unter Druck, was die Reedereien dazu zwingt, Kosten zu drücken. Vor dem Hintergrund haben sich einige große Schifffahrtsunternehmen zuletzt auf Werften in Fernost immer größere Schiffe bauen lassen. So senken sie die Transportkosten und hoffen auf Skaleneffekte, etwa beim Treibstoffverbrauch.

Das Wachstum der Ozeanriesen ist auf hoher See kein Problem, dort gibt es Platz genug. Vor allem Binnenhäfen wie Hamburg oder Bremerhaven, die nur durch das Nadelöhr ihrer Zufahrtsflüsse zu erreichen sind, geraten jedoch zunehmend unter Druck. Deren wirtschaftliche Situation ist zwar eigentlich nicht schlecht, weil seit der Wirtschaftskrise von 2008/2009 die Container-Umschlagszahlen beinahe kontinuierlich zulegen. Wollen diese Standorte gegenüber der Konkurrenz nicht zurückfallen, müssen sie jedoch dafür sorgen, dass sie auch künftig von den größten Schiffen angefahren werden können.

16 Meter Tiefgang

Knackpunkt ist dabei regelmäßig der Tiefgang der Schiffe, der zusammen mit Länge und Breite laufend in neue Dimensionen vorstößt. Ein Beispiel: Die "CSCL Indian Ocean", die gegenwärtig in der Elbe eine Zwangspause einlegt, gehört mit einer Länge von beinahe 400 Metern zu den größten Containerschiffen, die auf den Meeren unterwegs sind - und mit einem Tiefgang von bis zu 16 Metern zu den tiefsten.

Fünf solche Frachter baugleichen Typs ließ die chinesische Reederei CSCL 2013/2014 auf der südkoreanischen Werft Hyundai Heavy Industries bauen, darunter auch die "CSCL Globe", die Anfang 2015 als seinerzeit größtes Containerschiff der Welt unter reichlich Anteilnahme der Öffentlichkeit auf ihrer Jungfernfahrt ebenfalls in Hamburg haltmachte.

Noch einen Tick größer sind zurzeit lediglich die sechs Containerschiffe der sogenannten UASC A18-Klasse, die die in Kuwait ansässige Reederei United Arab Shipping Company seit Mitte vergangenen Jahres nach und nach in Betrieb nahm.

Solche Riesenfrachter unterscheiden sich in ihren Ausmaßen und Kapazitäten aus Laiensicht lediglich in Nuancen voneinander: Alle sind sie etwa 400 Meter lang sowie knapp 60 Meter breit, und alle können sie - zumindest auf dem Papier - maximal etwa 19.000 Standard-Container mit einer Länge von jeweils 20 Fuß befördern.

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