Samstag, 17. November 2018

Drittreichster Chinese kauft Ironman Dieser China-Milliardär bastelt sich gerade ein Sportimperium

Ironman wird chinesisch: Wer ist Wang Jianlin?
REUTERS

Knapp vier Kilometer schwimmen, 180 Kilometer mit dem Rad fahren und dann noch einen Marathon laufen - dieser körperliche Wahnsinn ist der chinesischen Dalian Wanda Gruppe 650 Millionen Dollar wert. Das Unternehmen kaufte die in Tampa, Florida ansässige World Triathlon Corporation inklusive der Marken Marken Ironman und Ironman 70.3 - und ist nun Herr über Schweiß und Tränen weltweit.

Diese Summe entspricht dem vierfachen des Preises, den Vorbesitzer Providence Equity Partners vor sieben Jahren bezahlt hatte.

Die Mehrzahl der Triathlone werden von Mittelschichts-Teilnehmern in Europa und Amerika bestritten, die zwischen 35 und 40 Jahren alt sind. Mit dem Wachstum einer chinesischen Mittelschicht, die ebenfalls auf Gesundheit und körperliche Fitness achtet, gerne joggt und radelt, rechnet Wanda mit einem großen Markt für Ironmen im Heimatland. Und sicherte sich durch diese Akquisition einen strategischen Vorsprung in der asiatischen Sport-Industrie.

"Wir wollen eine Marke wie Google werden."

Doch das eigene Volk profitabel zu quälen ist nicht der einzige Grund für die kauflustigen Chinesen. Durch die Übernahme von WTC sind sie nun zu einem der größten Sportunternehmen weltweit gewachsen. Denn die diesjährige Shopping-bilanz der Chinesen ist sportlich: Bereits im Februar übernahmen sie für eine Milliarde Euro den Schweizer Sportrechtvermarkter Infront, kurz darauf beteiligten sie sich mit 20 Prozent beim Fußballclub Atletico Madrid.

Wanda Chef Wang Jianlin, ein schmächtiger Chinese mit schlechten Zähnen, ist eine Leitfigur der chinesischen Wirtschaft und angeblich drittreichster Mann des Landes. Doch damit nicht genug. Sein Ziel für Wanda ist, wie er in einem CNN Interview entspannt kund tat, zur weltweiten Marke zu werden "wie IBM, Google oder Wal Mart".

Selbstbewusstsein ist also vorhanden, Gelder auch: Wanda ist eines der größten privaten Firmenimperien Chinas. Der Ertrag betrug 2014 38,8 Milliarden US Dollar. Im ersten Halbjahr 2015 stiegen die Einnahmen um 18 Prozent.

Den größten Teil seiner Gewinne macht Wanda mit Immobilien wie dem Verkauf, der Bewirtschaftung und Vermietung von Geschäftsflächen und Kaufhäusern. Derzeit gehören Wanda knapp 22 Millionen Quadratmeter Mietfläche, in 2015 möchte die Firma 26 weitere Objekte eröffnen.

Weitere Säulen des Geschäfts sind die Entwicklung und das Management von Luxushotels (in China besitzt Wanda 71 fünf-Sterne Hotels) und der Kultur- und Unterhaltungsbereich (beispielsweise mit Entertainment-Parks oder der weltgrößten Kinokette AMC). Und schließlich gehören Wanda 99 Kaufhäuser in Peking, Shanghai, Chengdu und Wuhan.

Nun also der Sport: Für Wanda markiert der Deal ein weiteres Glied in der Wertschöpfungskette, die bei der Organisation von Sportveranstaltungen beginnt, über die Vermarktung der Athleten reicht, das Event-Marketing, die Übertragung. In China könnten die Hotels und die Entertainmentsparte von zusätzlichen Einnahmen profitieren, reist ein Triathlet doch im Schnitt mit drei Unterstützern an und bleibt mit ihnen etwa drei Nächte vor Ort.

Im CNN-Interview wird CEO Jianlin übrigens gefragt, welche Übernahme sein Unternehmen als nächstes plant. Jianlin lacht verschmitzt und sagt: "Fragen Sie mal Ihren Boss, ob CNN zum Verkauf steht. Das könnte ich auch kaufen."

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