Montag, 17. Dezember 2018

Tierschützer applaudieren Chanel verzichtet auf Pelze und Kroko - folgt Louis Vuitton?

Echtes Krokodilsleder oder nicht? Chanel will künftig keine Häute von Schlangen mehr verarbeiten oder echte Pelze auf den Markt bringen

Auch betuchten Käufern wird Tierschutz offenbar wichtiger. Die Luxusmarke Chanel verzichtet daher auf Pelze und Leder von Krokodilen oder Schlangen. Folgen andere Luxus-Label dem Beispiel? Auf Secondhand-Portalen explodieren nun die Preise für Handtaschen aus Python-Haut.

Das französische Modeunternehmen Chanel will in Zukunft auf Leder von exotischen Tieren verzichten. Man werde nur noch Haut von Tieren benutzen, die aus der Lebensmittelindustrie als Abfallprodukte kommen, sagte der Präsident der Chanel-Modesparte, Bruno Pavlovsky, der Modezeitschrift "Vogue". Pelz solle es ab Mai überhaupt nicht mehr in den Kollektionen geben.

Grund für den Verzicht auf Leder von Tieren wie von Krokodilen, Eidechsen, Schlangen und Stachelrochen sei, dass es zu schwierig sei, deren Herkunft sicherzustellen. "Immer mehr Kunden wollen von uns wissen, woher die Materialien stammen und wie die Tiere gehalten werden", sagte Pavlovsky.

Nur dadurch entspreche das Leder den ethischen Standards des Hauses. Für die Zukunft sieht Pavlovsky auch die Möglichkeit, auf Biotech-Leder umzusteigen. "Aber das wird nicht in der nahen Zukunft geschehen", sagte er.

Umsatzeinbußen versus Preisschübe

Kurzfristig könnte Chanel von der strategischen Entscheidung profitieren. Analysten glauben allerdings, dass der Wert der verbleibenden Produkte aus exotischen Häuten nun deutlich steigt. Neue Taschen aus Python-Haut waren am Dienstag zum Beispiel auf der Chanel-Webseite nicht mehr erhältlich. Auf Secondhand-Portalen werden sie aber weiter für 5500 Euro und mehr gehandelt.

Mittelfristig indes dürfte der Verzicht auf bestimmte Materialien in der Bilanz spürbar sein. Bisher hatte Chanel mit Taschen, Mänteln und Schuhen aus Kroko- und Schlangenleder Preise von bis zu 9000 Euro erzielt.

Wertewandel bei der jüngeren Kundschaft

Langfristig allerdings dürfte die Maßnahme für den Konzern unvermeidlich sein, wenn er seine Kunden auf Dauer halten will.

Analysten verwiesen auf einen Wertewandel bei der jüngeren Kundschaft. Diese legten immer stärker Wert darauf, dass Produkte auf ethische Weise beschafft worden seien und eine minimale Auswirkung auf die Umwelt hätten. Zwar würden junge Menschen diese Haltung im Alltag nicht immer konsequent durchhalten. Doch die Bedeutung von ethischem Konsum steige.

Tierschützer begrüßten die Ankündigung der französischen Luxusmarke. Chanel rette damit die Leben zahlreicher Krokodile, Schlangen und Eidechsen, teilte der Tierschutzbund Humane Society International (HSI) mit. Die Organisation PETA rief andere Luxusmarken wie Louis Vuitton auf, dem Beispiel zu folgen und "zahllosen Tieren ein miserables Leben und einen schmerzhaften Tod zu ersparen".

Nach Angaben des ORF ist Chanel eines der ersten Luxuslabels, das exotische Tierhäute aus seiner Produktpalette streicht. Zuvor hatten allerdings schon Unternehmen wie Asos, Nike, H&M, Puma und die Marke Diane von Furstenberg ähnliche Ankündigungen gemacht.

rei/ssu/afp/dpa-afx

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