Donnerstag, 29. September 2016

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Bücherkrieg 909 Autoren gegen Amazon

Amazon-Chef Bezos: Als Freund aller Autoren stilisiert

Lange hielt man Amazon-Chef Jeff Bezos für eine Art Robin Hood der Buchwelt. Jetzt wenden sich 909 US-Autoren öffentlich gegen das Unternehmen. Amazons Image ist im Sturzflug.

Amazon-Chef Jeff Bezos erwartet Post, wenn auch unerfreuliche: Die Sonntagsausgabe der "New York Times" wird einen ganzseitigen offenen Brief an ihn und sein Unternehmen Amazon enthalten, in dem schwere Vorwürfe zu lesen sind. 2,4 Millionen Käufer der Zeitung (Digitalverkauf inklusive) werden darin erfahren, wie Amazon Verlage unter Druck setze und Autoren schade. Unterzeichnet ist das Protestschreiben von 909 Autoren, von denen viele zu den Dauergästen auf den literarischen Bestsellerlisten zählen - auch bei Amazon.

Verfasst wurde das Protestschreiben von Thrillerautor Douglas Preston. Dessen Bücher erscheinen in den USA bei einem Tochterverlag des Unternehmens Hachette, was Preston zum Leidtragenden eines seit Monaten öffentlich ausgefochtenen Streits machte: Weil Hachette es ablehnte, sich darauf einzulassen, mehr Geld vom Verkaufspreis von E-Books an Amazon Börsen-Chart zeigen abzutreten, behinderte Amazon die Auslieferung von Hachette-Büchern.

Nicht nur in den USA klagen Verlage seitdem öffentlich über Knebelverträge eines Unternehmens, das das Marktsegment des Onlinebuchhandels weitgehend dominiert. Amazon hielt mit einem Angebot an die Hachette-Autoren dagegen: Um zu zeigen, dass es um einen Disput zwischen Handelspartnern gehe, der keinesfalls zulasten der Autoren gehen solle, bot die Firma an, bis zur Beilegung des Streits die Erlöse aus den Ebook-Verkäufen komplett an die Autoren zu zahlen. Hachette lehnte ab - offenbar mit Billigung seiner Autoren.

Amazon will alles sein

Die bekannten Vorwürfe erhalten nun neues Gewicht, weil sie eben von Autoren kommen: Preston hatte offenbar wenig Mühe, auch prominente Kollegen wie Stephen King, Paul Auster, James Patterson oder John Grisham zur Unterschrift zu bewegen.

Für Amazon ist das besonders schmerzlich, weil die Firma zwar Stellung gegen Verlage und Handel bezieht, sich selbst aber gern als Freund aller Autoren stilisiert - eine Art Robin Hood in einer Branche, die Autoren behandele wie einst der Sheriff von Nottingham seine Untertanen.

Das Unternehmen bemüht sich seit einigen Jahren massiv, Schreiber dazu zu bewegen, direkt bei Amazon zu veröffentlichen. Den Zwischenhandel auszuschalten, liegt dem Onlineversandhändler ja quasi in den Genen; seit einiger Zeit hält sich Amazon aber auch für fähig, Verlage zu ersetzen. Die Firma lockt Autoren mit Tantiemen, die oft zehnmal höher liegen als im klassischen Verlagsgeschäft. Neben E-Books veröffentlicht Amazon unter den Labels eigener Verlagshandelsmarken auch gedruckte Bücher. Und auch hier sind die Bedingungen für Autoren prinzipiell fantastisch.

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