Mittwoch, 19. Dezember 2018

Benjamin Otto Der Otto-Enkel und die Online-Revolution

Collins: Die Zukunft des Einkaufens?
DPA

Der Versandhandelskonzern Otto wird seit Jahren von einem familienfremden Manager geführt. Mit Gründerenkel Benjamin Otto mischt nun erstmals wieder ein Familienmitglied im operativen Geschäft mit. Eine Bewährungsprobe als CEO?

Hamburg - Es dauert nur wenige Minuten, dann ist die Frage da, die Benjamin Otto wahrscheinlich hasst wie wenige andere - die er aber dennoch erwartet hat: Ob sein neues Projekt Collins so etwas wie eine Bewährungsprobe sei? Und ob es schon eine Entscheidung gebe, ob und wann er den Vorstandsvorsitz der Otto-Gruppe übernehmen werde?

Das (zumindest vorläufige) Dementi des 38-Jährigen kommt prompt: Ein Wechsel an die Unternehmensspitze "stehe bei ihm derzeit überhaupt nicht zur Debatte", stellt der schlacksige Hamburger klar. "Ich habe mich für Collins entschieden", schiebt er nach. Er schätze es, dort frei entscheiden zu können.

Freiheit ist ziemlich relativ, schaut man sich die Verantwortung an, die auf dem 38-Jährigen lastet. Schließlich soll sein am Montag vorgestelltes eCommerce-Projekt Collins dafür sorgen, dass der Otto-Konzern für die junge Zielgruppe, die "digital natives", relevant bleibt: Für modeinteressierte Mädchen und Frauen; die mit etablierten Marken wie Otto oder Bonprix nichts anfangen können.

Vor großen Aufgaben und ambitionierten Zielen schreckt der Gründerenkel jedoch nicht zurück: Es gehe darum, den "Versandhandel noch einmal neu zu erfinden", fasst Benjamin Otto die Herausforderung bei seiner kurzen Präsentation zusammen. Dann überlässt er der Collins-Managerriege das Feld, die noch einmal deutlich jünger sind als er selbst. Auf der offenen, neuen Plattform für junge Kunden liegen hohe Erwartungen: Sie soll das Kerngeschäft des Versandhändlers retten, das den Konzern dazu gemacht hat, was er heute ist. "Eine Belastung, aber auch eine Riesenchance", sagt Otto.

Der Enkel hat Erfahrungen mit Start-ups

Ein Start-up als Hoffnungsträger für den Versand-Dino? Immer wieder wurde spekuliert, ob Otto, der nach dem Studium bereits mehrere Unternehmen gegründet hat, mit dem Innovationsprojekt eine konzernweite Bewährungsprobe ablegen wird. Ein Befähigungsnachweis als Führungskraft, dass der Gründerenkel auch das Otto-Kerngeschäft kann. Schließlich läuft der Vertrag mit dem aktuellen CEO der Otto-Group, Hans-Otto Schrader, im Jahr 2016 aus.

Für Benjamin Otto eine enorme Herausforderung - selbst wenn man einen Konzern mit jeder Menge Know-How und dreistelliger Millionenfinanzierung im Rücken hat. Denn das Päckchen, das der Vertreter der dritten Otto-Generation mit sich trägt, ist enorm. Dessen ist er sich der zurückhaltende Hamburger mit der hellen Stimme durchaus bewusst. Immer wieder fällt das Wort Grundwerte in seiner kurzen Rede - eine für E-Commerce-Start-ups eher ungewöhnliche Vokabel. Die Fußstapfen, die Großvater und Vater mit ihrem 53.000 Mitarbeiter-Imperium hinterlassen haben, sind groß.

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