Donnerstag, 30. Juni 2016

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Shooting-Star der Reederei-Szene vor Bewährungsprobe Dieser Hamburger Promi-Klub vertraut einem Jung-Reeder sein Geld an

Hohe Erwartungen: Jung-Reeder Lucius Bunk.

Glitzernder kann man als Unternehmer kaum starten. Seit Johannes Lucius Bunk und Alexander Tebbe, damals 31 und 28 Jahre alt, im Oktober 2010 mit ihrer Reederei Auerbach gestartet sind, erregen sie breiträumig Entzückungsbekundungen: "Vorwärts in der Flaute" begeisterte sich beispielsweise nach einem Gespräch mit den beiden die "Zeit". Bei ihrer heimischen Klientel durften sich Bunk und Tebbe im "Hamburger Abendblatt" wortreich einschleimen: "Mit Vertrauen kann man mehr kaufen als mit Geld, insbesondere in der Hansestadt Hamburg".

Die Inszenierung wirkt: Bunk und Tebbe warben nach Informationen von manager-magazin.de bislang rund 20 Millionen Euro an Eigenkapital ein - ausschließlich bei vermögenden Privatpersonen. Mit sechs Schiffen operiert Auerbach inzwischen. Die Hamburger Society hofiert die beiden Jungreeder, deren Projekt und den dazu gehörigen medialen Hype begleiten viele in der konservativen Reederei-Szene nicht ohne Neid.

Bild aus gemeinsamen Tag: Tebbe (links) und Bunk während der NDR Talkshow 2013.
Bunk und Tebbe haben mit ihrem kultivierten Anderssein offensichtlich einen Nerv getroffen: Zwei junge Unternehmungslustige, die sich mal nicht mit etwas flüchtigem Digitalen selbstständig machten, sondern mit dem Inbegriff des Handfesten - und das dann auch noch maximal konservativ verkauften. Anders als üblich beteiligen sich ihre Geldgeber nicht an einzelnen Schiffen, sondern an der Reederei Auerbach direkt - womit sich jeder Investor ein wenig selbst als Reeder fühlen kann. Was wiederum in Hamburg immer noch sehr viel zählt.

Vor allem Tebbe wusste das immer besonders emphatisch zu begleiten: Die Namensfindung Auerbach dockte er unmittelbar an Deutschlands größten Dichter an: "Es sind auch die Werte, die Goethe maßgeblich für unser gesellschaftliches System mitgeprägt hat und die wir mit dem Namen ausdrücken wollen (...): Ruhe bewahren, Nachdenken, Handeln".

Das Prinzip nimmt er nun auch ganz persönlich für sich in Anspruch. Anfang Dezember ist er bei Auerbach Schifffahrt ausgeschieden, seine Anteile hat Bunk übernommen. Tebbe ist nach den stürmischen Gründerjahren einfach ein wenig ausgebrannt und braucht eine Auszeit.

Die Umstände der Trennung der beiden It-Boys der deutschen Reederei-Szene führen dazu, dass nun die bislang gut gehütete Liste der Geldgeber im Handelsregister auffindbar ist - weil die Kommanditisten die Trennung am 4. Dezember absegneten. Zu den beiden größten Eignern gehören danach zwei der wohlhabendsten Hamburger Kaufmannsfamilien: Größter Geldgeber ist die Unternehmerfamilie Möhrle, die durch den rechtzeitigen Verkauf ihrer Baumarktkette Max Bahr an den inzwischen insolventen Konkurrenten Praktiker zu viel verfügbarem Vermögen gekommen ist. Sie lässt sich bei Auerbach durch den Chef ihres Family Offices vertreten, Kai Kunze, 46, ehedem Finanzvorstand der Industriegruppe Friedhelm Loh.

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