Montag, 17. Dezember 2018

Päckchen werden zur Nebensache So entstand Jeff Bezos' neue Gewinnmaschine


Berichte über Amazons Geschäftserfolge lasen sich jahrelang wie folgt: Der Konzern aus Seattle wächst und wächst und wächst, verdient aber kein Geld. Dass es zuletzt anders läuft, liegt auch an Jeff Bezos' Cloud-Gewinnmaschine Amazon Web Services (AWS). Wie die Grafik von Statista zeigt, beherrscht Amazon den Cloud-Markt mittlerweile wie in manchen Ländern den Online-Handel: AWS vereinte weltweit im ersten Quartal einen größeren Marktanteil auf sich als die vier nächstkleineren Wettbewerber zusammen - auch wenn sich das Cloud-Computing auch bei der Nummer 2, Microsoft, zum Gewinntreiber entwickelt hat.

Dabei hatte Amazon zunächst gar keinen Cloud-Dienstleister, sondern eine flexible Lösung für die eigenen IT-Bedürfnisse geplant. Im Jahr 2000 habe das damals sechs Jahre alte Unternehmen seine IT-Systeme vereinheitlicht, um sie angesichts des eigenen rapiden Wachstums besser skalieren zu können, zitiert "Techcrunch" aus einem Vortrag von AWS-CEO Andy Jassy.

Aus dem Computer-Chaos zur Gewinnmaschine

Amazon-Chef Bezos

Dabei sei aufgefallen, dass jede Abteilung für eigene Projekte autark die nötige Hard- und Software anschaffe und entwickle. Um diese Prozesse zu vereinfachen, habe Amazon die Computer-Infrastruktur und die angeschlossenen Dienste vereinheitlicht. Aus diesem internen Angebot habe sich dann Schritt für Schritt ein IaaS-Dienst ("Infrastructure as a Service") für externe Kunden entwickelt. In der Rückschau erscheine es einleuchtend, dass daraus ein großes Geschäft werden würde, so Jassy weiter, "aber ich glaube nicht, dass wir das zu der Zeit jemals internalisiert hatten."

Amazon-Chef Jeff Bezos lobte denn jüngst auch den "den ungewöhnlichen Vorteil eines siebenjährigen Vorsprungs", den AWS vor den - allerdings stark wachsenden - Konkurrenten habe. Zuletzt verdiente das Unternehmen mit seinen buchbaren IT-Dienstleistungen und Speicherplätzen 1,4 Milliarden Dollar im Quartal.

Etabliert ist AWS dabei nicht nur bei Unternehmen wie Netflix, Disney oder General Electric, die den Dienst bereits nutzen oder aber eine Nutzung angekündigt haben, sondern auch bei Behörden. Die NASA nutzte etwa bereits 2012 Amazons Cloud, um die auf dem Mars geschossenen Bilder des Curiosity Rovers zu verbreiten. Auch die CIA und das Department of Homeland Security gehören zu Amazons Kunden. Und auch wenn US-Präsident Donald Trump zuletzt regelmäßig gegen den Konzern aus Seattle schoss - der nächste staatliche Megadeal ist für AWS offenbar schon so gut wie sicher.

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