Mittwoch, 22. August 2018

Bestes Investment aller Zeiten? Als Jeff Bezos' Mutter 847.000 Amazon-Aktien für 17 Cent das Stück kaufte

Jeff Bezos, heute der reichste Mann der Welt

Die folgenschweren Sätze sind auf Seite 39 versteckt. "Im Februar 1995", heißt es in einem Dokument, das Amazon im Jahr 1999 bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichte, "verkaufte das Unternehmen 582.528 Stammaktien an Miguel A. Bezos zu einem Preis von 0,1717 Dollar pro Aktie. Im Juli 1995 verkaufte das Unternehmen 847.716 Stammaktien an den Gise Family Trust zu einem Preis pro Aktie von 0,1717 Dollar." Hinter dem Trust stehe Jacklyn Gise Bezos. Jackie und Mike, wie sie üblicherweise genannt werden, sind die Eltern von Amazon-Gründer Jeff Bezos - und wahrscheinlich auch selbst milliardenschwer.

Für den Finanznachrichtendienst "Bloomberg", der das SEC-Dokument jüngst ausgegraben hatte, könnte es das "erfolgreichste Venture-Investment aller Zeiten" sein - einen Börsengang und vier Aktiensplits später seien die Papiere der Bezos-Eltern heute knapp 30 Milliarden Dollar wert.

Im besten Falle, sprich, wenn sie seit der letzten entsprechenden Veröffentlichung im Jahr 1999 keine Aktien mehr verkauft, sondern nur noch an ihre gemeinnützige Stiftung gespendet hätten, wären die Bezos-Eltern damit reicher als etwa Microsoft-Mitgründer Paul Allen, der laut "Bloomberg" aktuell die dreißigst-reichste Person des Planeten ist.

Bezos' leiblicher Vater wusste jahrzehntelang nichts vom Amazon-Vermögen

Selbst im schlechtesten Falle, wenn also Familie Bezos ihr komplettes Paket zum schlechtestmöglichen Kurs der vergangenen 18,5 Jahre veräußert hätte, hätte sie damit laut Bloomberg immer noch 100 Millionen Dollar Gewinn gemacht. Bei einem Kaufpreis von insgesamt 245.573 Dollar sei das eine Rendite von 40.621 Prozent. Ohne Verkäufe kämen sie auf gigantische 12 Millionen Prozent. Zum Vergleich: Sequoia Capital habe beim Whatsapp-Verkauf an Facebook etwa 36.000 Prozent Rendite eingefahren, so "Bloomberg".

Auch Jeffs Geschwister Mark und Christina haben laut SEC-Dokument im Jahr 1996 zugegriffen: Sie zahlten für 30.000 Aktien immerhin 33 Cent pro Papier. Sofern sie nicht verkauft haben, säßen beide laut "Bloomberg" damit heute auf jeweils etwa 640 Millionen Dollar.

Im Nachhinein mag sich das Amazon-Investment der Familie Bezos als äußerst gewinnbringend herausgestellt haben. In der Situation selbst war dem Amazon-Gründer allerdings gar nicht so wohl dabei. "Bloomberg" zitiert Jeff Bezos' Bedenken aus einem Auftritt im Jahr 2015: "Ich möchte zu Thanksgiving nach Hause kommen, ohne dass ihr alle wütend auf mich seid."

Jeff Bezos' leiblicher Vater Ted Jorgensen hatte hingegen keine Chance, früh in das heute zweitwertvollste Unternehmen der Welt zu investieren. Der im Jahr 2015 Verstorbene hatte erst 2012 durch die Recherchen eines Autoren erfahren, dass es der Sohn, von dessen Mutter er sich bald nach dessen Geburt hatte scheiden lassen, zum Multimilliardär gebracht hat.

luk

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