Dienstag, 21. November 2017

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Amazon sucht Ort für zweite Zentrale Bezos bietet 50.000 Jobs - und bittet US-Städte zum Schaulauf

Auf Wachstumskurs: Amazon breitet sich rasant im weltweiten Handel aus - und braucht weiteren Platz
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Auf Wachstumskurs: Amazon breitet sich rasant im weltweiten Handel aus - und braucht weiteren Platz

Der Online-Riese Amazon Börsen-Chart zeigen hat ein Bewerbungsverfahren der besonderen Art gestartet: Das von Multimilliardär Jeff Bezos gegründete Unternehmen, dessen Hauptsitz sich in Seattle befindet, plant ein zweites riesiges Hauptquartier für bis zu 50.000 Mitarbeiter.

Wie Amazon auf seiner Website mitteilt, sollen in den zweiten Firmensitz mehr als fünf Milliarden Dollar investiert werden. Geplant seien etwa 50.000 hochbezahlte Jobs, so Amazon. Nur der Standort, an dem das "HQ2" getaufte Projekt entstehen soll, steht noch nicht fest.

Das heißt: Städte und Regionen können sich nun bei Amazon bewerben. Als Voraussetzungen für den künftigen Standort von "HQ2" nennt der Konzern folgende Punkte: Es soll sich um eine Metropolregion in Nordamerika mit mehr als einer Million Einwohnern handeln. Erforderlich ist zudem ein stabiles und unternehmensfreundliches Umfeld sowie eine Lage, die für hochtalentierte IT-Arbeitskräfte attraktiv erscheint. Schließlich fordert Amazon die Kommunen auch auf, kreativ und in großzügigen Dimensionen zu denken, wenn es darum gehe, neue Immobilienprojekte zu durchdenken.

Geht Bezos auf Schmusekurs zu Trump?

Geplant ist laut Amazon nicht etwa eine Zweitniederlassung oder ähnliches. "Wir erwarten, dass HQ2 vollkommen gleichwertig zu unserem Sitz in Seattle sein wird", lässt sich Firmengründer Bezos zitieren. Topmanager sollen entsprechend entscheiden können, ob sie ihre Mitarbeiter an einem der Standorte oder sogar an beiden unterbringen.

Die Entscheidung für eine öffentliche Ausschreibung sowie die Fokussierung auf den nordamerikanischen Raum wirken wie ein geschickter Schachzug von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Der Milliardär befindet sich seit einiger Zeit im Visier von US-Präsident Donald Trump, der Amazon vorwirft, nicht nur Steuerzahlungen zu vermeiden, sondern auch Jobs im herkömmlichen Handel zu vernichten.

Durch die Ankündigung, eine nordamerikanische und mithin möglicherweise eine US-amerikanische Großstadt mit tausenden hochqualifizierten Jobs zu beglücken, könnte Bezos Trump beschwichtigen. Denn mehr Jobs auf dem US-Arbeitsmarkt sind bekanntlich das wichtigste Ziel der aktuellen Regierung in Washington.

Durch die öffentliche Ausschreibung will Amazon eigenen Angaben zufolge eine Stadt finden, die sich darauf freut, mit dem Konzern zusammenzuarbeiten. Einen ähnlichen Weg hatte bereits Tesla-Chef Elon Musk gewählt, um Standorte für Fabriken des US-Elektro-Autobauers zu finden.

In Seattle belegt Amazon inzwischen mehrere Straßenzüge in der Innenstadt und füllt insgesamt 33 Gebäude aus. Dort arbeiten mehr als 40.000 Menschen. Amazon baute den Standort in der regnerischen Stadt unter anderem mit gläsernen Biosphären aus. Der Online-Händler hat insgesamt rund 380.000 Mitarbeiter weltweit und unter anderem auch wichtige Entwicklungsstandorte im Silicon Valley. Dort plant derzeit unter anderem Google einen Ausbau seiner Zentrale. Apple bezieht gerade ein gewaltiges neues Hauptquartier in Cupertino, in dem 13.000 Menschen Platz finden sollen

Mit Material von dpa

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