Donnerstag, 29. September 2016

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Amazon startet Logistik-Offensive Amazon bläst zum Angriff auf DHL

Amazon-Fresh-Trucks: In den USA ist Amazon was die Logistik angeht, schon weiter

Es ist der Alptraum von DHL - und nun scheint es, als würde er Wirklichkeit. Denn der Onlineversender Amazon plant in Deutschland seinen eigenen Logistikdienst. Das geht aus aktuellen Einträgen im Handelsregister hervor.

Unter dem Namen "Amazon City Logistics" ist dort seit kurzem beispielsweise in München ein Unternehmen registriert, das sich die "Erbringung logistischer Dienstleistungen, inbesondere Transport, Umschlag und Lagerung" zur Aufgabe gemacht hat. Geschäftsführer ist der Amazon-Logistik-Manager Armin Cossmann.

Auch Personal wir bereits gesucht. Wie aus einer Stellenausschreibung der Amazon City Logistics hervorgeht, von der als erster der Handelsblog "Exiting Commerce" berichtete, will Amazon dabei offenbar neben eigenen Angestellten auch auf externe Dienstleister zugreifen.

Von Amazon war am Montag zunächst kein Kommentar zu der neuen Offensive zu bekommen.

Für Amazon ist die Ausweitung seiner Aktivitäten in die Logistik nichts Neues. In New York beispielsweise bietet der Onlinehändler bereits Kurierlieferungen innerhalb einer Stunde an.

Aber auch in Europa drängt der Onlinehändler verstärkt ins Logistikgeschäft. So experimentiert Amazon mit Audi und DHL an einer Technik, bei der Pakete in den Kofferaum der Fahrzeughalter geliefert werden sollen.

Schließfächer, Abholstationen - Amazon rüstet auf

Und in Ballungszentren in Großbritannien betreibt der Onlinehändler bereits eigene Schließfächer und sogenannte Collect+-Stores, in denen Kunden - wie bei den Paketshops von DHL & Co - bestellte Ware abholen können. Über den Zeitungslogistiker Smith-News können sich Kunden zudem ihre Pakete auch an mehr als 500 Kioske und Läden liefern lassen und ihre Ware zum Teil noch am selben Tag abholen. Sobald die Ware angekommen ist, erhalten die Kunden eine Mail.

In Frankreich setzt Amazon ebenso zunehmend auf Lösungen, die die Dienste von Logistikern teilweise überflüssig machen. Medienberichten zufolge verhandelt der Onlinehändler aktuell bei vielen Einkaufszentren über die Aufstellung von Schließfächern, wo die Kunden ihre bestellte Ware selbst abholen.

Für DHL dürfte das Vorpreschen von Amazon kurz nach dem bundesweiten Streik ein weiterer Schlag sein. Zu der konkreten Offensive wollte sich die Posttochter nicht äußern, da Amazon ja offiziell noch nichts dazu verlauten ließ.

"DHL Paket und Amazon verbindet in Deutschland eine langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit", hieß es bei DHL. Man gehe davon aus, "dass wir auch in Zukunft eng zusammenarbeiten werden".

Zwar ist nicht zu erwarten, dass Amazon seine Zusammenarbeit mit der Post-Tochter aufgibt. Und auch nicht, dass der Onlinehändler mit seinen Diensten das gesamte Bundesgebet abdecken wird.

Doch alleine das Wegbrechen eines Teils der Lieferungen dürfte schmerzhaft für DHL sein. Amazon hingegen verbucht seit Jahren steigende Logistikkosten und versucht, sich angesichts zu erwartender Engpässe, breiter aufzustellen.


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