Montag, 24. September 2018

Online-Gigant kauft Versandapotheke Pillpack Amazon versetzt Apotheker in Panik

Amazon: Einstieg in den Medikamenten-Versandhandel

Der weltgrößte Online-Händler Amazon Börsen-Chart zeigen hat die nächste Branche als Ziel für einen Großangriff identifiziert: Der US-Konzern steigt mit der Übernahme der amerikanischen Online-Apotheke PillPack in den Medikamentenhandel ein.

PillPack spezialisiert sich auf die Betreuung von Patienten, die Arzneimittel auf Rezept bekommen: Die Firma stellt die Medikamente zusammen und organisiert den Versand. Amazon Börsen-Chart zeigen nannte am Donnerstag keinen Kaufpreis.

Die Aktien der PillPack-Konkurrenten Walgreens und CVS brachen am Donnerstag im US-Handel um 8 beziehungsweise 9 Prozent ein. Amazon hat bereits die traditionellen Geschäftsmodelle zahlreicher Branchen zerstört. (Lesen Sie auch den mm-Report: Wie Amazon traditionelle Markenhersteller killt)

Amazon, der weltgrößte Online-Händler, war wohl nicht der einzige Interessent für PillPack: Im April hatte der Fernsehsender CNBC berichtet, PillPack stehe vor der Übernahme durch den Supermarkt-Riesen Walmart .

Der Preis liege unterhalb der Marke von einer Milliarde Dollar, hieß es damals unter Berufung auf informierte Personen. Walmart baut gerade massiv sein Online-Geschäft aus, um Amazon Paroli zu bieten.

Zu Jahresanfang hatte Amazon bereits sein großes Interesse an dem Gesundheitsmarkt öffentlich gemacht: Gemeinsam mit der größten US-Bank JP Morgan Chase und Berkshire Hathaway, der Beteiligungsgesellschaft des Star-Investors Warren Buffett, hatte der Konzern eine Krankenkasse für die eigenen Mitarbeiter gegründet. Als Begründung hatten die Unternehmen damals die horrenden Kosten der Gesundheitsversorgung in den USA genannt. "Die steigenden Gesundheitskosten fressen sich wie ein Bandwurm durch die US-Wirtschaft", so Buffett. Weitere Details nannten die Partner zunächst nicht, JP-Morgan-Chef Jamie Dimon deutete aber weitergehende Ambitionen an: "Die drei Konzerne haben außergewöhnliche Ressourcen, unser Ziel ist es, Lösungen zugunsten unserer US-Angestellten, ihrer Familien und - möglicherweise - aller Amerikaner zu finden."

In Deutschland können sich die Apotheker derzeit noch auf politischen Schutz verlassen. Vor allem DocMorris hofft auf den großen deutschen Markt. Die aktuell gültige Koalitionsvereinbarung zwischen CDU, CSU und SPD sieht allerdings ein Verbot für Versandapotheken vor, verschreibungspflichtige Medikamente zu verkaufen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hadert noch mit sich, ob er die Vorgabe umsetzen soll.

la/mmo/reuters

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