Sonntag, 25. Juni 2017

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13,7 Milliarden Dollar für Lebensmittelhändler Um die Wurst: Amazon wagt größten Zukauf der Firmengeschichte

Lieferdienst-Test "Amazon fresh" in Berlin.

Der US-Konzern Amazon will den Lebensmitteleinzelhändler Whole Foods Market für insgesamt 13,7 Milliarden Dollar in bar kaufen. Das gaben die beiden Unternehmen am Freitagnachmittag bekannt. Der Preis von 42 Dollar je Aktie ist ein kräftiger Aufschlag auf den Kurs von zuletzt gut 33 Dollar. Whole Foods ist ein Spezialist für hochwertige (Bio-)Lebensmittel und setzte in gut 461 Läden in den USA (440), Kanada (12) und Großbritannien (9) zuletzt jährlich 16 Milliarden Dollar um.

Mit dem Schritt katapultiert Amazon seine Offensive im Lebensmitteleinzelhandel in eine neue Dimension. Allein in Deutschland, wo der US-Konzern jüngst mit den Testmärkten Berlin und Potsdam gestartet war, werden für Lebensmittel jährlich rund 170 Milliarden Euro ausgegeben. Branchenexperten haben die Erfolgschancen Amazons bislang allerdings als vergleichsweise niedrig eingeschätzt, weil Amazon Börsen-Chart zeigen

keine Erfahrung im Vertrieb verderblicher Waren hat.

Diese Expertise holt sich Vorstandschef Jeff Bezos nun mit dem Kauf von Whole Foods in den Konzern. Entsprechend fielen die Aktien etablierter Supermarktkonzerne unmittelbar nach Ankündigung des Deals am Freitag auf breiter Front: Die Papiere des weltweit größten Einzelhändlers Wal-Mart rutschten um vier Prozent, die der Nummer zwei auf dem US-Markt, Kroger, sackten gar um elf Prozent ab. Die Aktie von Amazon legte um knapp drei Prozent zu.

Amazon hat in den vergangenen Jahren sein Geschäft nicht nur um Tech-Dienstleistungen wie Web-Hosting erweitert, sondern auch das Online-Handelsgeschäft um immer weitere Kategorien. Zuletzt gab es etwa weitere Anzeichen, dass Amazon in den Auto-Handel in Europa einsteigen will.

Bislang hatte Bezos seine Geschäfte aber überwiegend aus eigener Kraft und ohne Zukäufe entwickelt: Vor Whole Foods gab er für einen Zukauf erst einmal mehr als 1 Mrd. Dollar aus: Im Jahr 2009 rund 1,1 Milliarden Dollar für den Online-Händler Zappos.

Zu dem Kauf von Whole Foods sagte Bezos, das Unternehmen begeistere seine Kunden seit fast vier Jahrzehnten. "Ihre Arbeit ist hervorragend, so soll es weitergehen." Laut Amazon bleibt der Vorstandschef und Mitgründer von Whole Foods, John Mackey, im Amt, auch die Zentrale der Firma soll in Austin bleiben.

Der Finanzinvestor Jana Partners war zuletzt unzufrieden mit der Geschäftsentwicklung bei Whole Foods und hatte die Firma zu einem Verkauf gedrängt. Whole Foods hatte im vergangenen Quartal den Umsatz lediglich um ein Prozent auf knapp 3,74 Milliarden Dollar gesteigert, der Gewinn sank im Jahresvergleich von 142 auf 99 Millionen Dollar. In den USA werden gut 97 Prozent der Erlöse erwirtschaftet.

mit dpa-afx

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