Freitag, 14. Dezember 2018

Steuerdeals für neue Hauptquartiere So greift Amazon Milliarden vom Fiskus ab

Versandstation des Onlinehändlers Amazon

Rund 50.000 neue Jobs wolle man schaffen und rund fünf Milliarden Dollar investieren: Das kündigte der Online-Riese Amazon an, als er im September 2017 die Suche nach einem Standort für sein zweites Hauptquartier in Nordamerika startete. Über 200 Städte bewarben sich, nun stehen die Sieger des großen Standortwettkampfs fest: Amazon eröffnet statt einem einzelnen gleich zwei weitere Hauptsitze - in New York City und Crystal City in Arlington, einen Vorort der US-Hauptstadt Washington im Bundesstaat Virginia auf.

Die Details der Standort-Deals sorgen in den USA aber für Unmut, und zwar bei Linken wie Konservativen. Denn bei seinen neuen Standorten hat Amazon milliardenschwere Steuererleichterungen verhandelt, heißt es in US-Medien. Der Online-Händler hat wie andere US-Techkonzerne ohnedies den Ruf, weltweit Steuerschlupflöcher auszunutzen und oft nur sehr geringe Steuern zu zahlen.

Für die Ansiedlung seiner neuen Hauptquartiere hat Amazon aber offenbar richtig aufgedreht - und den beiden Städten laut dem US-Wirtschaftsmagazin Fast Company dreiste Zugeständnisse abgelockt:

  • Die Stadt Arlington erhöht ihre Hotelsteuer. Nur so kann sie dafür zahlen, dass Amazon in ihre Stadt zieht. Denn Amazon erhält von der Stadt einen 23 Millionen Dollar schweren Geldzuschuss über 15 Jahre, der über die gestiegene Hotelsteuer finanziert wird.
  • Bereits im kommenden Jahr 2019 bekommt Amazon von der Stadt New York 33,4 Millionen Dollar ausbezahlt - als Gegenleistung dafür muss Amazon gerade mal 595 Jobs schaffen (versprochen sind 700 Jobs, doch Amazon muss nur 85 Prozent dieser Zahl schaffen, um das Geld ausbezahlt zu bekommen). Und zu den 600 versprochenen Jobs zählen auch noch Teilzeitbeschäftigungen.
  • Insgesamt dürfte New York dem Onlinehändler Förderungen von knapp drei Milliarden Dollar gewähren - rund 1,7 Milliarden davon kommen vom Bundesstaat New York , 1,3 Milliarden Dollar von der Stadt selbst.
  • Für Aufregung sorgt auch noch die Vereinbarung, dass Arlington und New York City den Bau von Helikopter-Landeplätzen an beiden Hauptquartier-Standorten mit öffentlichen Geldern mitfinanzieren werden. Vom Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs an beiden Standorten mit Steuergeldern ist hingegen nicht die Rede.
  • In Arlington baut Amazon sein neues Hauptquartier im Bezirk Crystal City mit 22.000 Einwohnern. Der wird nur künftig nicht mehr so heißen. Denn Amazon hat den Bezirk überzeugt, sich in National Landing umzubenennen - das passt dann besser zum benachbarten Reagan National Airport und der Bundeshauptstadt Washington D.C.

Mit den nun angekündigten Steuererleichterungen habe Amazon seit 2012 gut vier Milliarden Dollar von den US-Steuerzahlern erhalten. Zugleich sei das Privatvermögen von Amazon-Chef Jeff Bezos alleine in diesem Jahr um 36 Milliarden Dollar gestiegen, merkt ein Reporter der Seattle Times via Twitter süffisant an.

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