Mittwoch, 24. Mai 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Milch und Wurst vom Paketboten So wirbelt Amazon den Lebensmittelmarkt auf

Frische Lebensmittel: Diese Online-Supermärkte müssen Amazon Fresh fürchten
Fotos
Amazon

Amazon hat schon viele Branchen aufgemischt. Als nächstes sollen die Lieferdienste für frische Lebensmittel dran sein. Mit Amazon Fresh greift der Konzern in Deutschland an.

Mit seinem Angebot Amazon Fresh will der Online-Händler auch den Liefermarkt für frische Lebensmittel aufrollen. Die Wettbewerber fürchten den Einstieg des US-Konzerns, der nicht nur die Online-Supermärkte, sondern auch die Lieferdienste durcheinanderbringen könnte.

Zwar liefert Amazon Fresh bisher nur in Berlin und Potsdam frische Lebensmittel für rund zehn Euro im Monat an Prime-Kunden. Das Angebot soll aber nach der Testphase ausgeweitet werden. Die Lieferung frischer Lebensmittel ist logistisch schwierig, da bei vielen Produkten wie Tiefkühlware oder Milcherzeugnissen die Kühlkette nicht unterbrochen werden darf.

Mit seinen 85.000 Artikeln bietet Amazon den Kunden ein mehr als doppelt so großes Sortiment wie die größten Supermärkte Deutschlands. Die sind über den neuen Wettbewerber nicht erfreut. "Wir müssen uns warm anziehen", sagte Rewe-Chef Alain Caparros Ende Dezember der "Rheinischen Post". Die Lebensmittelhändler müssten die Verzahnung des stationären Handels mit dem Online-Geschäft hinbekommen, sagte Caparros weiter, sonst würden sie irgendwann von Amazon abgehängt.

Die Lieferung von Lebensmitteln ist ein Riesengeschäft. In Deutschland werden jährlich rund 170 Milliarden Euro für Nahrung ausgegeben. Doch dabei spielt der E-Commerce kaum eine Rolle. Nur rund ein Prozent der Branchenumsätze werden über das Internet erzielt.

Amazon bastelt an eigenen Vertriebswegen

Das will Amazon jetzt ändern. Der Internetkonzern kooperiert für sein Angebot zunächst mit DHL als Logistikpartner. Doch Amazon baut derzeit auch die eigenen Vertriebswege aus. So bietet der Konzern Paketboxen und Lieferungen per Fahrradkurier. Zudem betreibt Amazon Frachtflugzeuge und Paketwagen und experimentiert mit der Lieferung über Drohnen.

In einigen US-Städten betreibt des als reiner Onlinehändler gestartete Konzern bereits eigene Ladengeschäfte. Langfristig ist geplant, selbst in die Zustellung einzusteigen. Bis dahin können die Paketdienste noch an dem Lieferboom teilhaben.

Au ch Lieferdienste mischen mit

Zunächst sind aber die Online-Supermärkte dran, die sich gegen Amazon wappnen müssen. Aber auch die Lieferdienste machen sich bereit. So plant DPD den Versand frischer Lebensmittel in Kooperation mit dem Kochboxen-Anbieter Hello Fresh. "Wir sind überzeugt davon, dass im Online-Lebensmittelmarkt enorme Potenziale liegen", sagte DPD-Vertriebschef Andreas Reß dem "Handelsblatt". Ab dem Sommer soll der Paketdienst auch für weitere Lebensmittel-Versanddienste ausliefern.

So scheint das Liefergeschäft mit verderblichen Supermarktartikeln durch den Einstieg Amazons in Deutschland in Fahrt zu kommen. Der Konzern hat schon mehrere Branchen durcheinandergewirbelt. Der Lebensmitteleinzelhandel könnte der nächste sein. Dabei ist der Markt stark fragmentiert: Die Verbraucherzentrale Brandenburg listete zuletzt 179 Händler mit Sitz in Deutschland auf, die überregional frische Lebensmittel liefern.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH