Samstag, 21. Oktober 2017

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Aggressives Recruiting nervt Business Schools Hausverbot für Amazon

Abschluss an der Wharton Business School: Amazon buhlt schon vor dem ersten Tag an der Uni um Top-Studenten

Ob ein Hausverbot für Amazon-Rekrutierer etwas nützt? "Es ist beinahe unmöglich", sagt Scott DeRue fast schon resigniert. "Selbst wenn wir ihnen den Zutritt zu einem akademischen Gebäude verbieten - dann sind sie eben in Restaurants und Coffee Shops auf der anderen Straßenseite."

Der Dekan der Ross School of Business der University of Michigan berichtet im "Wall Street Journal" von der aggressiven Rekrutierungspraxis des Internetgiganten. Der Konzern aus Seattle buhle bereits um die besten Studenten, bevor sie auch nur einen Tag an der Uni verbracht hätten. DeRue fordert entsprechend, erst nach der ersten Semesterwoche mit dem Werben um die besten Talente zu beginnen.

DeRues Kritikpunkte werden auch an anderen Business Schools laut: "Amazon hat einen neuen Sektor gefunden, um ihn auf den Kopf zu stellen", schreibt das "WSJ" über das Recruiting an den wichtigsten Wirtschaftsfakultäten der USA. Der Konzern sei mittlerweile der größte Anwerber an den Business Schools der Carnegie-Mellon-Universität, in Berkeley und an der Duke University; unter MBA-Erstsemestern der University of Michigan, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) oder dem Dartmouth College sei der Konzern beliebtester Praktikumsplatz. Berkeley und das MIT hatten es jüngst in die Top Ten der besten Wirtschaftsunis von "Times Higher Education" geschafft.

Amazon wurmt auch die Berater

Wie sehr der Erfolg des Weltkonzerns aus Seattle dessen Wettbewerber im "War for Talents" wurmt, zeigt eine Spitze: Das Beratungsunternehmen Bain stelle in jedem Jahr etwa 500 MBA-Absolventen ein, zitiert das "WSJ" dessen Recruiting-Chef Keith Bevans. Bei Bain könnten sie Strategie und Problemlösung von den Besten lernen, so Bevans weiter: "Zum besten Lebensmittelladen der Welt zu gehen macht Sie nicht zu einem besseren Koch."

Weil Amazons Rekrutierer in Scharen bei den Business Schools auftauchten, würden immer mehr Banken und Berater an anderen Tagen um Bewerber buhlen wollen, schreibt das "WSJ" weiter. Unter den MBA-Studenten und -Absolventen selbst komme der Konzern gut an: Aus Studentensicht sei die Work-Life-Balance in Seattle besser als an der Wall Street; wegen der vielen Branchen, in denen Amazon tätig sei, könne der Konzern mittlerweile in vielen Karriereplänen dieselbe Funktion erfüllen, die vorher McKinsey und andere große Berater eingenommen hätten: als Ort, um ganz unterschiedliche Branchen und Industrien kennenzulernen.

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luk

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