Samstag, 21. Oktober 2017

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Online-Supermarkt Allyouneedfresh Wie ein Online-Supermarkt und Schalke 04 zusammenarbeiten

Einkaufskiste: Allyouneedfresh erzielt bislang negative Ergebnisse
Allyouneedfresh
Einkaufskiste: Allyouneedfresh erzielt bislang negative Ergebnisse

Allyouneedfresh steigt mit einem 20-Millionen-Deal beim FC Schalke 04 ein. Die Partnerschaft soll dem Online-Supermarkt deutliches Wachstum bescheren. Die "Königsblauen" freuen sich zudem über einen neuen Distributionskanal.

Haben Sie schon einmal online Lebensmittel bestellt? Statistisch gesehen müsste Ihre Antwort wahrscheinlich "Nein" lauten.

Bei einer Statista-Umfrage unter mehr als 1200 Teilnehmern gaben 2015 67,5 Prozent an, noch nie online Lebensmittel eingekauft zu haben. Nur 6,1 Prozent erwerben regelmäßig auf dem digitalen Weg Essen und Getränke, die übrigen Umfrageteilnehmer haben es schon mindestens einmal gemacht.

Aber: Der Markt wächst. Laut einer Hochrechnung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland lag der E-Commerce-Umsatz mit Lebensmitteln 2015 in Deutschland bei 736 Millionen Euro. Ein Jahr später waren es bereits 932 Millionen.

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Heft September 2017

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Mit einem Rohergebnis von 4,2 Millionen Euro, wozu vor allem der Umsatz zählt, war der Marktanteil von Allyouneedfresh 2015 noch sehr klein. Für 2016 lag die Umsatz-Prognose bei 22 bis 24 Millionen Euro. Nun will das Unternehmen sein Wachstum noch weiter beschleunigen. Helfen soll dabei das Ärmelsponsoring beim FC Schalke 04. Der Vierjahresvertrag soll in Summe mindestens 20 Millionen Euro schwer sein - und ist für Allyouneedfresh der Einstieg in eine neue Unternehmensphase.

Bisher setzte die Firma, typisch für ein Digitalunternehmen, auf fein aussteuerbares Performance-Marketing, um so die Anzahl der User auf der Plattform kontrollieren zu können. Nun soll - und muss - weiteres Wachstum erzielt werden, denn die 2012 gegründete Plattform ist defizitär. Im Geschäftsjahr 2014 lag der Verlust aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit bei 10,3 Millionen Euro, 2015 bei 14,5 Millionen Euro.

Allyouneedfresh kann sich die Verluste bislang leisten. Die Finanzierung ist durch den Hauptgesellschafter Deutschen Post Börsen-Chart zeigen gesichert, der in dem Geschäftsmodell auch als Dienstleister für die Auslieferung der Waren fungiert.

"Markenaufbaukampagne"

Das Engagement bei Schalke ist nun als "große Markenaufbaukampagne" angelegt, sagt Geschäftsführer Jens Drubel, der bewusst nach einer großen Marketingmaßnahme gesucht hat. Drubel sagt: "Uns war relativ schnell klar, dass wir uns im Fußball engagieren wollen. Wir sind dann über die Mitgliederzahlen, die Innovationsbereitschaft und die familiäre Ausrichtung der Clubs gegangen, sodass Schalke 04 nach einer Vorsondierung unsere Wunschlösung war. Dass der Club im eSport aktiv ist, hat das gute Gesamtgefühl abgerundet." Neben der digitalen Ausrichtung auf eSport konnte Schalke mit einem innovativen Ansatz punkten. So ist in dem Ärmel-Badge von Allyouneedfresh ein Chip integriert, mit dem die Fans an den Stadionkiosken bezahlen können. Das Unternehmen wird den Fans damit noch häufiger ins Bewusstsein kommen und stärker präsent sein als andere Sponsoren.

Allyouneedfresh
  • Geschäftsführer: Jens Drubel, Udo Kießlich, Karsten Haberkorn
  • Sitz: Berlin
  • Mitarbeiter: 90
  • Rohergebnis: 4,2 Mio. Euro
  • Jahresüberschuss: 0,78 Mio. Euro
  • Sponsoringverantwortung: Jens Drubel
  • Sponsoring: Premium-Partner (2. Ebene) FC Schalke 04 (bis 2020/21; 5 Mio. Euro p. a.)
Die Finanzzahlen beziehen sich auf das Kalenderjahr 2015. Der Jahresüberschuss wurde durch einen Ertragszuschuss in Höhe von 15,3 Mio. Euro durch den Hauptgesellschafter DHL erzielt.
Quelle: SPONSORs 7/2017

S04-Marketingvorstand Alexander Jobst sagt: "Der Abschluss ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Gewichtung im Sponsoring komplett verlagert hat. Der Werbewert ist nur ein Bruchteil der Dimension des Vertrags." Neben der Präsenz auf dem Ärmel sicherte sich Allyouneedfresh zudem die Möglichkeit, die Fanartikel des Clubs über seine Plattform verkaufen zu können. Während das Unternehmen damit sein Angebot durch weitere Produkte erweitern kann, profitiert auch Schalke - und zwar nicht nur durch einen Umsatzanteil an den von Allyouneedfresh verkauften Fanartikeln. Jobst sagt: "Allyouneedfresh hat Millionen Kunden und ist damit für uns auch ein verlängerter Distributionskanal im Merchandising. Auch in China ist das Unternehmen sehr stark aktiv, entsprechend kooperieren wir während unserer Reise." Der Club fliegt für den Zeitraum vom 16. bis zum 22. Juli ins "Reich der Mitte".

Während Schalke damit nicht nur monetär von der Rechtesumme profitiert, könnte Allyouneedfresh auch für andere Sportrechtehalter als Partner interessant werden. Geschäftsführer Drubel sagt "Grundsätzlich sind wir als Start-up unglaublich dynamisch und offen für weitere Aktivitäten. Konkrete Pläne für weitere Sponsoringmaßnahmen haben wir aktuell aber nicht."

Der obige Text stammt aus SPONSORs, dem führenden deutschsprachigen Anbieter von Informationen aus dem Sportbusiness.

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