Donnerstag, 8. Dezember 2016

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Designerin entwirft für Discounter Aldi will mit Jette Joop sein Image aufpolieren

Jette Joop: Die deutsche Mode- und Schmuckdesignerin entwirft künftig auch für Aldi. Für den Discounter könnte die Rechnung aufgehen, ob sich die Designerin mit diese Kooperation einen Gefallen tut, bezweifelt so mancher Experte
ALDI SÜD/Jette Joop
Jette Joop: Die deutsche Mode- und Schmuckdesignerin entwirft künftig auch für Aldi. Für den Discounter könnte die Rechnung aufgehen, ob sich die Designerin mit diese Kooperation einen Gefallen tut, bezweifelt so mancher Experte

Designermode und Discounter? Das passt ungefähr so gut zusammen wie Abendkleid und Gummistiefel, könnte man meinen. Doch Aldi Süd will jetzt das Gegenteil beweisen - mit einer Damenmode-Kollektion von Jette Joop.

Die Aldi-Filiale an der Düsseldorfer Königsallee wird Anfang April zum Laufsteg. Wo sonst Kunden Waschmittel und Fruchtsäfte kaufen, präsentieren dann Models eine Damenmode-Kollektion, die die Designerin Jette Joop exklusiv für den Billiganbieter entworfen hat und die wenige Tage später in die Läden kommt.

Aldi Süd wolle "ein Zeichen dafür setzen, dass Designerstücke nicht unbedingt teuer sein müssen", begründet die stellvertretende Aldi-Einkaufsleiterin Kim Suckow am Montag den überraschenden Schritt des Discounters. Jette Joop spricht im "Handelsblatt"-Interview sogar von der "Demokratisierung guten Designs". Doch natürlich geht es auch ums Geschäft.

"Mit der Jette-Joop-Kollektion will Aldi ein jüngeres, markenorientierteres Publikum ansprechen und neue Kunden anlocken", sagt Denise Klug vom Handelsanalysten Planet Retail. Aldi stehe unter Druck. Es gebe in Deutschland kaum noch die Möglichkeit, durch Öffnung neuer Märkte zu wachsen. Gleichzeitig werde der Wettbewerb mit Lidl, aber auch mit den großen Supermarktketten immer intensiver. Umso wichtiger sei es, neue Kunden anzulocken und die Umsätze auf bestehender Fläche zu steigern - durch die Aufnahme von Markenartikeln in die Regale oder eben durch eine Zusammenarbeit mit Jette Joop.

Aldi will und muss neues Publikum ansprechen

Der Textilbereich hat für den Discounter eine große Bedeutung. Aldi Nord und Aldi Süd gehören zusammen nach einem Ranking des Branchenmagazins "Textilwirtschaft" mit einem Umsatz von über einer Milliarde Euro zu den zehn größten Textilhändlern Deutschlands. Da macht es für Aldi Süd Sinn, in diesem Bereich sein Image zu stärken.

Ab dem 11. April wird die Kollektion in den Drahtkörben für Aktionsware zu finden sein. Allerdings nur bei Aldi Süd. Aldi Nord macht nicht mit. Das Angebot umfasst Blusen, Hosen, Jumpsuits und Kleider, aber auch Schuhe, Handtaschen und Halstücher. Die Preise liegen zwischen 9,99 und 19,99 Euro.

Die Arbeit für den Discounter sei für sie eine Herausforderung gewesen, berichtet Jette Joop. Jedes Teil sei man zusammen durchgegangen: seinen Schnitt, seinen Stoff, die Farbe und natürlich den Preis. Mode sei heute "häufig viel zu weit von den Menschen entfernt" und "zu abgedreht", sagt die Designerin. Auch deshalb habe sie das Angebot von Aldi angenommen.

Aldi Nord macht nicht mit

Aldi ist nicht der erste Billiganbieter, der versucht, das eigene Image durch die Zusammenarbeit mit bekannten Designern aufzuwerten. Vor allem die Textilhandelskette H&M machte immer wieder Schlagzeilen durch die Zusammenarbeit mit großen Namen der Modewelt wie Karl Lagerfeld, Stella McCartney oder Versace. Doch auch der Aldi-Erzrivale Lidl ließ schon 2011 eine Schmuckkollektion vom Designer Harald Glööckler entwerfen.

Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung kann sich deshalb gut vorstellen, dass die Aktion für Aldi ein Erfolg wird. Ob das am Ende auch für Jette Joop gilt, da macht er allerdings ein Fragezeichen. "Es besteht die Gefahr, dass ihr Image angekratzt wird."

Wird Aldi künftig öfter Designermode zum Schnäppchenpreis anbieten? Der Discounter lässt das offen: "Wir schauen jetzt erst mal, wie diese Aktion läuft. Dann sehen wir weiter. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es weitergeht."

rei/dpa

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