Samstag, 16. Dezember 2017

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Kasper Rorsted, Björn Gulden Adidas und Puma halten frühere Feindschaft für Geschichte

Gesunde Konkurrenten, aber keine Feinde mehr: Adidas-Chef Kasper Rorsted (rechts) und Puma-Chef und Björn Gulden signieren sich gegenseitig zwei Bälle und tauschen sie später aus. Es war laut Kennern das erste Mal, dass Chefs von Adidas und Puma gemeinsam öffentlich auftraten

Adidas oder Puma? Der erbitterte Zwist der Gebrüder Dassler machte diese Frage einst zu einer todernsten Angelegenheit. Inzwischen geben sich die Chefs der Sportartikelhersteller unverkrampft. Sie halten die frühere Rivalität für Geschichte. Doch stimmt das wirklich?

Da haben sich offenbar zwei gefunden. Kasper Rorsted und Björn Gulden sitzen im Hörsaal der Technischen Hochschule Nürnberg beisammen und scheinen sich prächtig zu verstehen. Das zeigt schon die Optik: Die Chefs von Adidas und Puma sind im Partnerlook gekommen. Ihre Füße stecken standesgemäß in schwarzen Turnschuhen, die beide Herren mit Jeans und modischen Trainingsjacken kombiniert haben.

Den Plausch der beiden Skandinavier darf man getrost als weiteren Meilenstein in der Historie der Sportartikelhersteller bezeichnen. 2009 wurde bereits Geschichte geschrieben, als gemischte Teams beider Firmen zusammen Fußball spielten. Und nun ist es das erste Mal, dass Chefs von Adidas und Puma im Rahmen eines Events der "Nürnberger Nachrichten" gemeinsam öffentlich auftreten.

Was wohl Adi und Rudi Dassler von der Szenerie im Hörsaal gehalten hätten? Also jenes ungleiche Gespann, das vor mehr als 90 Jahren in Herzogenaurach eine gemeinsame Schuhfabrik aufzog, sich irgendwann aber heillos zertritt - und so am Ende den Entstehungsmythos zweier Weltkonzerne erst begründete. Der Zwist der Gebrüder gilt als Kult und war sogar schon Stoff für TV-Filme.

Ob die heutigen Firmenlenker von der Rivalität noch etwas spürten? "Absolut null", antwortet Adidas-Chef Rorsted bestimmt - und legt nach: Er hoffe zwar, dass der Kunde Produkte seines Unternehmens kaufe. "Und wenn nicht, was schwer nachvollziehbar ist, dann lieber bei Puma als irgendwo anders." Gulden, selbst früher als Fußballer aktiv, passt den Ball galant zurück. Beide Unternehmen pflegten inzwischen ein gutes Verhältnis. "Wenn jemand neben oder über uns Erfolg haben soll, dann Adi. Das meinen wir so." Klar, natürlich wolle Puma aufholen und besser werden, sagt der Puma-Chef mit Blick auf den besser aufgestellten Wettbewerber. Aber es handele sich um eine "gesunde Konkurrenz".

Endgültig Frieden in "Herzo"?

Eine gewisse Skepsis bei so viel Eintracht bleibt aber doch. Was denn mit all den Rechtsstreitigkeiten um Patentrechte sei, die sich Puma und Adidas untereinander viel häufiger lieferten als etwa mit dem Branchenprimus Nike, fragt ein Moderator. Rorsted wiegelt ab. "Große Firmen stehen immer im Rechtsstreit mit anderen Firmen. Das ist das Tagesgeschäft, und das muss man ganz klar trennen." Gulden ergänzt schelmisch: "Wir haben zwei große Rechtsabteilungen - die muss man mit irgendwas beschäftigen." Gelächter brandet im Publikum auf.

Es scheint also endgültig Frieden zu herrschen in "Herzo", wie die Mitarbeiter von Adidas und Puma den Standort liebevoll nennen. Und es deutet viel darauf hin, dass die Dassler-Fehde auch unter Bewohnern der fränkischen Kleinstadt längst nicht mehr so heiß gegessen wird, wie sie einst gekocht wurde.

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