Samstag, 2. Juli 2016

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Vorschusslorbeeren für Kasper Rorsted Der Milliarden-Macher

Kasper Rorstedt: Der Henkel-Chef wird neuer Chef von Adidas - doch mit Effizienz allein wird er bei Adidas nicht punkten können

Mit all den Vorschusslorbeeren für den Adidas-Hoffnungsträger Kasper Rorsted tut man ihm keinen Gefallen.

Vorschusslorbeeren haben es in sich. Oft ist es so, als käme mit ihnen zusammen schon die Gewissheit, dass der so Ausgezeichnete die Erwartungen nicht erfüllen wird. Besonders verhext scheint voreiliges Lob zu wirken, wenn damit Börsenkurse bewegt werden. Als die Deutsche Bank beispielsweise John Cryan als neuen Chef verkündete, legte die Aktie deutlich zu. Und dann ging es bergab auf das Niveau der Finanzkrise im Frühjahr 2009. Ähnliches erlebte die Commerzbank, als der Abschied von Martin Blessing für den Herbst 2016 terminiert wurde: das Papier kletterte - doch der vermeintliche Befreiungsschlag erfreute die Aktionäre nicht lange.

Nun also Kursfeuerwerk bei Adidas Börsen-Chart zeigen , weil der langjährige Henkel-Chef Kasper Rorsted zu dem Sportartikelhersteller wechseln wird. Bevor der Schachzug bekannt wurde, waren die beiden Dax-Konzerne am Markt etwa gleich bewertet - danach lagen sie fast zwei Milliarden Euro auseinander. Henkels Kurs ging in den Keller, der von Adidas sprang nach oben.

Man braucht keine Seher-Qualitäten, um vorauszusagen, dass dies wohl nicht von Dauer sein wird, weder hüben noch drüben. Am Ende sind wir nämlich alle ersetzbar und ein einzelner Chef ist niemals Milliarden Euro wert.

Gespräche lieber beim Joggen als abends an der Bar

Heiner Thorborg
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    Heiner Thorborg gehört zu den profiliertesten Personalberatern in Deutschland. Nach zehn Jahren als Partner bei Egon Zehnder International gründete er die Heiner Thorborg GmbH & Co KGaA (Frankfurt), die Heiner Thorborg & Co. (Zürich), die Initiative "Generation CEO", "The Female Factor" sowie thorborg&virzí mit den Standorten Frankfurt und Zürich.
Was keineswegs heißt, dass Adidas sich den falschen Mann an Bord geholt hat. Im Gegenteil. Rorsted, der sich mit Verhandlungspartnern lieber morgens zum Joggen trifft als abends an der Bar, bringt die nötige Sportbegeisterung und Glaubwürdigkeit mit für diese Position. Zudem ist der Däne, der seit 25 Jahren in Deutschland lebt, ein echter Global Citizen mit besten Fremdsprachenkenntnissen und zudem gewandt genug, um den weltweit zweitgrößten Sporthersteller überall zu repräsentieren.

Was man über Markenartikel und Branding wissen muss, hat er nicht zuletzt bei Henkel Börsen-Chart zeigen gelernt. Dort ist es ihm auch gelungen, die Rendite hoch zu treiben, was per se schon eine Leistung ist.

Das wird auch die Adidas-Investoren wie Albert Frère, Mason Hawkins und Nassef Sawiris, die jeweils größere Aktienpakete besitzen, motiviert haben, sich für den Trainerwechsel in Herzogenaurach einzusetzen. Die Erwartungen an Rorsted sind also klar: Kümmere dich um die Zahlen!

So wie bei Henkel. In den acht Jahren an der Konzernspitze in Düsseldorf hat er den Börsenwert mehr als verdreifacht und ehrgeizige 16 Prozent als Renditeziel verwirklicht. Kritiker jedoch setzen ebenfalls genau an dem Punkt an und meinen, Rosted habe bei Henkel zwar glorreiche Zahlen produziert, das Unternehmen jedoch nicht wirklich vorangebracht, insbesondere habe er weder neue Produktkategorien noch neue Märkte entwickelt. Langfristige Strategien, Investitionen und Forschungsarbeit seien seine Sache nicht.

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