Dienstag, 16. Oktober 2018

Fielmanns Erben Wie Brille24 und Mister Spex den Brillenhandel aufwühlen

Mister Spex-Geschäftsfüher Dirk Graber: "Da muss man den Hut vor ziehen"

Der deutsche Brillenhandel ist im Umbruch. Online-Versender wie Brille24 und Mister Spex haben sich als ernstzunehmende Konkurrenten etabliert. Für Dickschiffe wie Apollo oder Fielmann ein Ärgernis, für kleine Optikerbetriebe eine handfeste Bedrohung.

Hamburg - Einmal im Jahr legen die Mitglieder des Zentralverbands der Augenoptiker (ZVA) die Marktanteile in der deutschen Optikerbranche fest. Die Treffen finden in kleiner Runde in Düsseldorf statt. Man kennt sich. Inoffiziell heißt es, "man würfelt die Zahlen für das letzte Jahr aus", sagt ein Mitglied des kleinen Kreises. Offiziell bezeichnet sich die Runde hingegen als Branchenbesprechung zu den Branchendaten des Vorjahres.

In diesem Jahr hat die Runde nun folgende Zahlen festgelegt: Die rund 12.000 niedergelassenen Optiker in Deutschland verbuchten im vergangenen Jahr mit rund 49.000 Beschäftigten ein Umsatzplus von rund 2,5 Prozent auf rund 5,2 Milliarden Euro. Allein die Brillenverkäufe machten davon gut vier Milliarden Euro, teilte ZVA-Chef Thomas Truckenbrod jüngst den Journalisten auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes mit.

Nicht eingerechnet seien dabei die Umsätze der Online-Brillenhändler. "Um den Handel im Internet zu berücksichtigen, fehlen uns belastbare Zahlen aus dieser Branche", sagte der ZVA-Chef.

Bei Online-Optikern ernten die Aussagen von Truckenbrod bestenfalls Verwunderung. "So richtig nach Zahlen erkundigt hat sich der Verband bei uns nicht", sagt Dirk Graber, Gründer und Geschäftsführer des Berliner Online-Optikers Mister Spex.

60 Prozent Wachstum im Online-Versand

26 Millionen Euro Umsatz schrieb das Unternehmen 2012. Allein im ersten Quartal 2013 legten die Erlöse im Vorjahresvergleich um rund 60 Prozent zu. Der Verkauf von Korrektionsbrillen - also Brillen zum Ausgleich einer Sehschwäche - machen nach Angaben von Graber rund 40 Prozent aus. Der Rest verteilt sich auf Sonnenbrillen und Kontaktlinsen. Für dieses Geschäftsjahr kalkuliert Mister Spex noch mit einem leichten Minus. "Ab 2014 werden wir Gewinne schreiben", sagt Graber.

Mister Spex gehört zu den Pionieren unter den deutschen Online-Optikern. Im April 2008 ging die Website online. Graber, der Betriebswirtschaft an der Handelshochschule Leipzig studierte und dort über Kontakte zu anderen Gründern und Praktika beim Klingelton-Aboservice Jamba - dem ersten erfolgreichen Start-up der Samwer-Brüder - und beim Online-Auktionshaus Ebay seine Liebe zum E-Commerce entdeckte, arbeitete nach dem Studium zunächst zwei Jahre für die Boston Consulting Group. Mister Spex enstand schließlich als abgewandelte Kopie erster anderer Onlineversender.

"Ich habe vor der Gründung verschiedene Märkte und Geschäftsmodelle analysiert", sagt Graber. "Und Schuhe waren damals noch nicht so en vogue." Dass es am Ende der Brillenmarkt wurde, habe an vier Kriterien gelegen: erstens die absolute Marktgröße, zweitens die hohen Margen der Optikerketten, drittens die großen Durchschnittsbestellgrößen von im Schnitt 300 Euro, viertens die Marktstruktur. "Es gibt zwei dominierende Player, Fielmann und Apollo", sagt der 36-Jährige. "Wenn diese online gehen würden, bekämen sie einen Kanalkonflikt."

Dieses strategische Dilemma hat sich Mister Spex zunutze gemacht. Im Schatten der Branchendickschiffe hat sich das einstige Start-up selbst zu einer der zehn größten Optiker-Ketten in Deutschland entwickelt. Graber und sein Team bezeichnen sich daher inzwischen als Marktführer unter den Online-Optikern. Ein Titel, der indes auch von einem anderen Wettbewerber beansprucht wird: Brille24.

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