Sonntag, 5. Juli 2015

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Schnäppchenkrieg Markenhersteller proben Aufstand gegen Ebay und Amazon

Schnäppchenkrieg: Welche Hersteller sich gegen die Preisdrücker wehren
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2. Teil: Ebay ist tabu - selektiver Vertrieb ist ein heißes Thema

"Es gibt bestimmte Händler, die möchte man eigentlich nicht ", heißt es bei Schoeffel zu entsprechenden Plänen. Aber: "Mit Verboten kommen sie da nicht weit".

Auch Deuter will künftig nicht mehr an Plattformen wie Ebay und Amazon liefern - und fordert von den Händlern außerdem, ein bestimmtes Sortiment vorzuhalten. "Sich nur die Sahneschnittchen herauszupicken, geht nicht mehr", betont Marketingchef Rainer Wenninger, der mit der Aktion auch die Fachhändler und damit die traditionellen Partner der Markenhersteller schützen will.

Dass auch zwei Anbieter, die "einen echt tollen Job" gemacht haben", wegen der neuen Regeln auf der Strecke geblieben sind, bedauert Wenninger. Bislang sei das Feedback der Händler allerdings durchaus positiv.

Auch in anderen Branchen sind selektiver Vertrieb und Verkaufsverbote über Ebay und Co. derzeit ein heiß diskutiertes Thema. Der Heidelberger Schreibwarenhersteller Lamy zum Beispiel beliefert bereits seit Jahren nur Händler mit einem eigenen Ladengeschäft und denkt derzeit darüber nach, die Zügel noch etwas anzuziehen.

Der Fitnessgerätehersteller Kettler macht seinen Händlern Auflagen, und auch bei Alessi und dem Zubehörspezialisten Hama trägt man sich mit entsprechenden Plänen.

Siebenstellige Umsatzeinbußen

Wirtschaftlich ist das Risiko, das die Markenhersteller damit eingehen, allerdings beträchtlich. Nicht nur Lowa, auch Deuter rechnet damit, dass der Umsatz unter den neuen Auflagen erheblich leiden wird. Einen einstelligen Millionenbetrag, so die Schätzung, dürfte der Versuch, die Kontrolle über den eigenen Markenvertrieb zurückzubekommen, jeden einzelnen Markenhersteller kosten. "Doch das ist es uns wert", sagt Lowa-Vertriebschef Matthias Wanner.

Das Interesse ist auch bei anderen Herstellern riesig: "Wir haben noch nie so viele Anrufe von Kollegen bekommen wie jetzt", sagt Deuter-Marketingchef Wenninger. "Die haben alle das gleiche Problem." Was sich auf dem Markt derzeit abspiele sei "katastrophal", heißt es auch bei Alessi.

Daran, dass immer mehr Markenhändler Wege wie Deuter oder Lowa einschlagen werden, hat man beim deutschen Markenverband keine Zweifel. Für immer mehr Unternehmen werden neben dem Fokus auf das Produkt auch der Vertriebsweg an Bedeutung gewinnen, ist Markenverband-Hauptgeschäftsführer Christian Köhler überzeugt. "Sie werden und müssen sich darum kümmern, wo und wie ihre Produkte verkauft werden."

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