Sonntag, 20. Januar 2019

Vente-Privée-Gründer "Wir profitieren von der Krise"

Jacques-Antoine Granjon: Reichtum, Rock und Restverkäufe
DPA

Jacques-Antoine Granjon erwirtschaftet mit seinem Online-Shopping-Club Vente-Privée inzwischen mehr als eine Milliarde Euro Umsatz - und schreibt dabei solide Gewinne. Im Interview erzählt der Franzose, was er von seiner Regierung, den Samwer-Brüdern und Amazon-Gründer Jeff Bezos hält.

mm: Herr Granjon, glaubt man dem französischen Wirtschaftsmagazin "Challenges", haben Sie im vergangenen Jahr mehr als ein Viertel Ihres Reichtums eingebüßt. Sie werden derzeit auf 550 Millionen Euro geschätzt. Ein Jahr zuvor waren es noch 750 Millionen Euro. Was ist da schiefgelaufen?

Granjon (lacht): Ich weiß nicht so recht. Aber es kümmert mich überhaupt nicht. Solche Rankings sind ja ohnehin eher virtuell. Mir geht es nur um mein Unternehmen. Wie sind wir aufgestellt? Sind wir profitabel? Wie viele Jobs haben wir geschaffen? Wie sind unsere langfristigen Wachstumsaussichten?

mm: Das klingt nicht nach dem Lebensmotto, das Sie einst verfolgten: So wenig wie möglich arbeiten, soviel wie möglich verdienen. Haben Sie Ihre Einstellung geändert?

Granjon: Was sich verändert hat, ist, dass ich heute sehr viel arbeite. Ein großes Unternehmen in Frankreich zu leiten, ist schon ein schwieriges Geschäft. Es gibt ständig Probleme, weil die französische Regierung einfach keine Leute mag, die erfolgreich sind. Sie tun alles, um einem das Leben schwer zu machen. Dies gilt vor allem für Gründer, die sich die Hälfte ihrer Zeit mit den Vorgaben der Regierung herumschlagen müssen. Sie haben es schwerer als alle anderen Gründer in der Welt.

mm: Was ist denn das Problem?

Granjon: Wenn Sie Geld verdienen, ist es ein Problem. Wenn Sie Steuern zahlen, ist es ein Problem. Wenn Sie noch mehr Steuern zahlen, ist es ein Problem. Und wenn Sie etwas erfinden, interessiert die Regierung sich nicht dafür. Sie sagt lieber: Wow, schaut euch die Vereinigten Staaten an, welche großen und starken Internetkonzerne sie hervorgebracht haben. Aber um ihre eigenen Internet-Unternehmer in Frankreich kümmert sich unserer Regierung kein bisschen.

mm: In Ihrem Heimatmarkt Frankreich, dessen Rahmenbedingungen Sie so scharf kritisieren, erwirtschaften Sie bis heute 75 Prozent Ihrer Umsätze. In Deutschland sind Sie hingegen nur die Nummer vier unter den Shopping-Clubs. Dabei haben Sie als Student in Deutschland gelebt und müssten den deutschen Markt doch ganz gut kennen?

Granjon: Ich habe ein kurzes Jahr in Wiesbaden verbracht. 1983 war das, während meines Studiums an der European Business School in Oestrich-Winkel. Allerdings war ich auch schon vorher viel in Frankfurt und in Düsseldorf, wo ich gute Freunde hatte.

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