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26.09.2012
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Esprit
Abschied von Gisele

Von Cornelia Knust

Auslaufmodell: Das Topmodel Gisele Bündchen wirbt nur noch bis Ende Oktober für Esprit

Auslaufmodell: Das Topmodel Gisele Bündchen wirbt nur noch bis Ende Oktober für Esprit

Ronald von der Vis präsentiert letztmalig die Esprit-Zahlen. Sein Nachfolger verspricht erstmal Treue zur laufende Strategie. Doch die Konjunkturflaute in Europa dämpft die Stimmung - mitten in der Radikalkur für den Modekonzern.

München - "Das sind die beiden Ladies, die die ganze Arbeit machen". Paul Cheng, Vize-Aufsichtsratschef von Esprit Holdings Chart zeigen, ließ im Publikum Melody Harris-Jensbach, 50, und Tanya Todd, 48, extra noch einmal aufstehen. Als Verantwortliche für das Produkt und für die Beschaffung sitzen sie an den Stellhebeln für den künftigen Erfolg von Esprit. Auf die schönen Reden von Ronald van der Vis, 44, (bis heute Vorstandschef) und José Martinez, 42,(seit heute sein Nachfolger) können die erfahrenen Managerinnen vermutlich getrost verzichten.

Van der Vis führte den Modekonzern mit Sitz in Ratingen bei Düsseldorf und Notierung an der Börse von Hongkong seit Ende 2009 und verpasste ihm vor genau einem Jahr eine von der Boston Consulting Group entwickelte vierjährige Umstrukturierung. Die sollte nicht nur die einst in Kalifornien gegründete Marke Esprit Chart zeigen mit Hilfe des Top-Models Gisele Bündchen neu positionieren, sondern ließ auch von Produktdesign, über Beschaffung und Logistik bis zur Neugestaltung der Läden nichts aus, was man im Modegeschäft tun kann, um Kunden zu ködern und Margen zu verbessern.

Man habe erst ein Jahr hinter sich, sagte van der Vis, bedauerte, dass er den Transformationsprozess nicht bis zum Ende gestalten könne und behauptete, sein Nachfolger ("eine starke Führungspersönlichkeit") habe sich der Fortführung dieses Prozesses verpflichtet.

Der Niederländer hatte im Juni dieses Jahres mitgeteilt, dass er das Amt aus familiären Gründen niederlegen werde. Man konnte dahinter aber auch handfesten Streit im Unternehmen vermuten, zumal der damalige Aufsichtsratschef Hans-Joachim Körber (früher Metro) gleich mit hinschmiss.

Bei der heutigen Präsentation der Zahlen für 2011/2012 (30. Juni) in Hongkong lobten sich alle gegenseitig und waren um Haltung bemüht. Dabei kommt ihnen Top-Model Bündchen per Ende Oktober abhanden: sie, die als Identifikationsfigur gelten sollte, für alles, was Esprit im Dienste der Kundin vorhat; aber auch sie, die ärgerlicherweise auch immer wieder mit der Wettbewerber-Marke H&M assoziiert wurde, für die sie zuvor Modell stand.

Neustart mit Christy Turlington

Jetzt soll Christy Turlington das neue Gesicht von Esprit sein, Ex-Top-Model aus den 90er Jahren, das unter anderem für Puma Chart zeigen und Escada Chart zeigen posierte und sich als Yoga-Expertin und Tierschützerin bekannt gemacht hat. Sportliche Wohlfühlmode und eine edel anmutende Strickkollektion soll sie bis Weihnachten für Esprit präsentieren.

Was sonst im neuen Geschäftsjahr genau passiert, wohin sich Umsatz und Gewinn entwickeln sollen, darüber verloren Vorstand und Aufsichtsrat (Board) kein Wort. Der Umsatzrückgang um 11 Prozent auf 30 Milliarden Hongkongdollar (rund 3 Milliarden Euro) sei planmäßig, hieß es, zumindest 9,5 Prozent davon, da ja das gesamte US-Geschäft abgewickelt worden sei, weitere eigene Läden in Europa geschlossen und das Geschäft mit Wiederverkäufern ausgedünnt.

Die restlichen 1,5 Prozentpunkte gingen auf das Konto des "herausfordernden ökonomischen Umfelds", wie Finanzchef Thomas Tang sagte. Esprit macht immer noch fast 80 Prozent vom Umsatz in Europa, mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Der Umsatzanteil Chinas, wo Esprit die Präsenz mit eigenen Läden kräftig erhöhen will, beträgt nach Angaben des Unternehmens jetzt 8,6 Prozent.

Beim Gewinn vor Steuern habe sich positiv ausgewirkt, dass Rückstellungen aufgelöst werden konnten, weil die Schließungen in den USA nicht ganz so teuer geworden sind wie befürchtet. Kräftig gelitten hat dagegen die Bruttomarge (sie sank von 54 auf 50 Prozent), weil die Beschaffungspreise gestiegen und dem Handel Rabatte gewährt worden seien. Andere Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen: Die Euro-Schwäche lässt den Lagerdruck in Hongkong-Dollar geringer erscheinen, die Cash-Position höher.

Es lässt sich also noch so nicht recht ablesen, ob Esprit auf dem richtigen Weg ist. Da mag van der Vis noch so sehr schwärmen, wie schnell jetzt so genannte "Trend"-Kollektionen in die Läden gebracht würden, wie wunderschön die lichtdurchfluteten neuen Läden in Antwerpen, Köln und Düsseldorf aussähen, wie radikal die Zahl der Lieferanten gekürzt worden sei.

Martinez - vorher bei der spanischen Inditex Chart zeigen (Zara) beschäftigt und nun neue Nummer eins bei Esprit, aber erst seit zehn Tagen im Unternehmen - gab keine Hinweise auf einen abrupten Strategiewechsel. "Ich stimme mit den grundlegenden Annahmen, den Prioritäten und den meisten Initiativen des Transformationsprogramms überein", sagte er und begrüßte, dass van der Vis ihm im Hintergrund noch bis Ende des Jahres zur Seite stehen wolle.

Zur schwierigen Situation auf Europas Konsumgütermärkten sagte Martinez: "Man kann als Modeunternehmen in Europa nach wie vor Erfolg haben, man muss nur das Richtige tun".

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