Montag, 25. Juli 2016

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Otto-Gruppe Ein bisschen Amazon, ein bisschen Zalando

Konzernsitz der Otto Group in Hamburg: "Kontrollierte Offensive"

Die Hamburger Otto-Gruppe wächst nicht mehr zweistellig und leidet unter dem Preiskampf mit Amazon und Zalando. Konzernchef Hans-Otto Schrader will jetzt sparen und umbauen. Das Ziel: Preise senken und zwei Geschäftsmodelle unter einem Dach vereinen.

Hamburg - Ein Fußballzitat zur Fußbal-EM durfte nicht fehlen, als Hans-Otto Schrader die Bilanzzahlen von Deutschlands größtem Versandhändler am MIttwoch präsentierte. "Wir sind in einer kontrollierten Offensive", sagte der Vorstandvorsitzende der Otto Group. "Wir sichern Gewinne nach hinten ab und greifen nach vorne an." So viel Fußball-Rhetorik musste einfach sein.

Was genau Schrader mit "Gewinne absichern" meinte, lässt sich zunächst in den Zahlen des Konzerns ablesen. Im vergangenen Geschäftsjahr - das Ende Februar endete - hat die Otto Group ihren Umsatz um 1,7 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro gesteigert. Im Vorjahr waren es noch 12,6 Prozent gewesen.

Auch die Gewinnentwicklung blieb unter dem Vorjahresniveau. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank von 378 Millionen Euro auf 259 Millionen Euro.

Umsatzschwäche und Gewinnrückgang haben mehrere Gründe. Zum geschmälerten Wachstum trugen vor allem die stagnierende Marktentwicklung beim Modeversandhandel bei - jenem Geschäftsfeld, in dem sich die Otto-Gruppe noch vor Rivalen wie Amazon Börsen-Chart zeigen als Weltmarktführer sieht. Auch der für den Konzern wichtige Möbelversandhandel schwächelte - er schrumpfte sogar um rund 6 Prozent.

Quelle-Effekt ist verpufft, Kummer mit Quelle.de

Auch der Niedergang der einst wichtigsten Wettbewerber Quelle und Neckermann konnten die Umsätze der Otto-Gruppe zuletzt nicht mehr stützen. Nach der Pleite von Quelle Ende 2009 hatte Otto hier noch einen geschätzten Zuwachs von rund 200 bis 300 Millionen Euro durch heimatlose Quelle-Kunden verzeichnet.

Das Experiment hingegen, die Markenrechte von Quelle zu kaufen und ein entsprechendes Online-Portal zu eröffnen, schlug fehl. Eigentlich hatten Schrader und sein Vorstandsteam mit zunächst rund 250.000 Artikeln möglichst bald dreistellige Millionenbeträge umgsetzen wollen. "Wir sind mit der Entwicklung von quelle.de ausdrücklich nicht zufrieden", sagte der Otto-Chef hingegen am Mittwoch.

Zwei Faktoren hätten dazu beigetragen: erstens sei die Strahlkraft der Marke überschätzt worden, zweitens hätten Anbieter bei Quelle höhere Preise gefordert als bei Amazon. Den Kauf der Markenrechte stellte der Otto-Chef dennoch nicht in Frage. Denn so sollte verhindert werden, dass ein großer ausländischer Player die Quelle-Pleite für einen Markteinsteig nutzt.

Anders als Quelle.de entwickelten sich die Umsätze der meisten anderen E-Commerce-Töchter des Konzerns ordentlich - was sich auch darin niederschlägt, dass die Vorstandsressorts innerhalb der Otto Group ab August neu zugeschnitten werden. Rainer Hillebrand, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Gruppe, soll das Geschäft mit weltweit 5,3 Milliarden Euro Umsatz künftig steuern.

Neben Quelle.de gilt es dann, mehr als 60 Online-Portale auf Kurs zu bringen - von MyToys über Limango bis zu Shopping24.

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