Donnerstag, 15. November 2018

Tank und Rast Die Braut wird hübsch gemacht

Autobahn-Raststätte Tank & Rast: Die Gewinne sind alles andere als üppig
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Autobahn-Raststätte Tank & Rast: Die Gewinne sind alles andere als üppig

Seit 2004 befindet sich der Großteil der deutschen Autobahnraststätten in den Händen des Finanzinvestors Terrafirma. Doch wirklich üppige Gewinne sprudeln nicht. Das könnte sich dank eines clevern Schachzugs nun ändern. Zur Kasse gebeten werden voraussichtlich die Autofahrer.

Hamburg - Auf Raststätten hält sich eigentlich kaum jemand gerne auf - kurz austreten, rasch einen Kaffee trinken oder etwas essen - dann geht es weiter. Einen großen Auftritt haben die klassischen Durchgangsorte eigentlich nur einmal im Jahr. Dann, wenn mitten im Sommerloch der ADAC seinen alljährlichen Raststättentest präsentiert. Dann schaffen es auch Ort wie Recknitz-Niederung in die Tagesschau, ein Fleckchen in Mecklenburg-Vorpommern, der ansonsten nicht wirklich schlagzeilenträchtig ist.

Das einzige, was außer der Reihe das Potenzial zum Aufreger hat, sind allenfalls noch die Toilettenpreise, die Autofahrer mittlerweile vor den Drehkreuzen der mehr als 360 Autobahnraststätten Deutschlands berappen müssen. Als diese von 50 auf 70 Cent stiegen, ging ein regelrechter Aufschrei durchs Land. Schließlich bekommen Reisende mittlerweile nur noch 50 der 70 Cent als Warengutschein erstattet - sie zahlen also auch dann, wenn sie im Shop etwas kaufen.

Die Aufregung hat sich längst gelegt. Schließlich kriegt man als Toilettengänger auch einiges geboten. Saubere Örtchen samt Dudelmusik - die selbst die Gemüter wartender Busreisegruppen zu beruhigen vermag.

Pächter klagen über steigenden Druck von Tank und Rast

Ganz anders sieht es allerdings mit den Gemütern vieler Pächter aus. Die klagen schon seit Jahren über steigenden Druck des Raststättenkonzerns Tank und Rast, der sich seit 2004 in den Händen des Finanzinvestors Terrafirma von Guy Hands befindet. Der hatte das Geschäft angeblich für 1,1 Milliarden Euro sechs Jahre nach der Privatisierung im Jahr 1998 von den damaligen Käufern, einem Konsortium aus Allianz Capital Partners, Apax Partners und dem Lufthansa-Ableger LSG übernommen.

Nur zweieinhalb Jahre später - im Juni 2007 - holte Hands dann den Infrastrukturfonds Reef der Deutschen Bank mit ins Boot, der für den 50-prozentigen Anteil 1,3 Milliarden Euro gezahlt haben soll. Gleichzeitig, so heißt es, sollen die Schulden auf 2,2 Milliarden erhöht worden sein. Ein Schachzug, der Terra Firma insgesamt unbestätigten Schätzungen zufolge 1,8 Milliarden Euro in die Tasche gespült haben soll.

Der Druck auf die Pächter ist unterdessen kontinuierlich gestiegen. Gemeinsame Einkaufs- und Kassensysteme, verpflichtende Schulungen - die eigenen Gestaltungsräume der Betreiber schwinden. Bei gleichzeitig steigenden Kosten.

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