Dienstag, 19. März 2019

Ex-Arcandor-Chef Middelhoff zu Schadenersatz verpflichtet

Middelhoff (2011): Der Top-Manager hat seine Pflichten verletzt

Der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff muss einem Grundurteil des Landgerichts Essen zufolge Schadenersatz an den Karstadt-Insolvenzverwalter  zahlen. Zumindest theoretisch.

Essen - Das Landgericht Essen entschied in einem Grundurteil (AZ: 41 O45/10), Middelhoff und drei weitere Ex-Vorstände hätten beim Verkauf eines Kaufhauses in Wiesbaden ihre Pflichten verletzt. Nach der Pleite des Essener Handels- und Touristikkonzerns Arcandor seien sie daher zu Schadenersatz an den Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch verpflichtet.

Sowohl Middelhoff als auch die Ex-Vorstände hätten es unterlassen, die Überschreibung des Warenhauses im Jahr 2005 an an den Oppenheim-Esch-Fonds zu verhindern, urteilten die Richter. Dieser hatte für das Kaufhaus dann nach Ansicht Jauchs eine überhöhte Miete verlangt.

Die Höhe des entstandenen Schadens sei aber fraglich, sagte Richterin Regina Pohlmann. Gutachten zufolge könnte er zwischen 30 und 46 Millionen Euro liegen. Das Grundurteil muss nun vom Oberlandesgericht (OLG) Hamm erst überprüft werden. Middelhoff-Anwalt Winfried Holtermüller kündigte umgehend Berufung an. Folgt das OLG dem Landgericht Essen, muss dieses dann in einem nächsten Schritt über die konkrete Schadenshöhe entscheiden. Dies könne noch Jahre dauern, sagte Richterin Pohlmann.

Middelhoff abgesichert

Middelhoff selbst wird seinem Anwalt zufolge aber in jedem Fall nicht bezahlen müssen: eine Versicherung werde für den Manager einstehen. Aus seiner Sicht sei das Grundurteil aber falsch und werde in der nächsten Instanz keinen Bestand haben, sagte Holtermüller.

Der frühere Bertelsmann-Manager Middelhoff hatte das Ruder bei Arcandor 2005 übernommen. Rund vier Jahre später musste Middelhoff gehen - nach einem Jahresverlust von einer Dreiviertelmilliarde Euro. Wenige Monate später stellte Arcandor Insolvenzantrag. Allein bei Karstadt zitterten jahrelang rund 25.000 Mitarbeiter um ihre Jobs. Schließlich übernahm Investor Nicolas Berggruen die Warenhaus-Kette.

Das Essener Landgericht erkannte nur im Falle des Verkaufs des Wiesbadener Karstadt-Hauses eine "schuldhafte Pflichtverletzung" von Middelhoff und drei weiteren Ex-Vorständen. Die darüber hinaus geltend gemachten Ansprüche erkannte das Gericht nicht an. Der Insolvenzverwalter hatte Middelhoff und zehn weitere Ex-Vorstände und Ex-Aufsichtsräte ursprünglich auf Zahlung von 175 Millionen Euro Schadenersatz verklagt.

ts/rtr/dpa-afx

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