Mittwoch, 28. Juni 2017

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Amazon Revolte gegen den Platzhirschen

Tablet und Co.: Die aktuellen E-Book-Lesegeräte
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DPA

Der Onlineversender Amazon lehrt nicht mehr nur Buchhändler, sondern auch Verlage und Versandhäuser das Fürchten. Versuche, die Marktmacht des Internetriesen zu begrenzen, waren bislang wenig erfolgreich. Doch die Revolte läuft - und erreicht nun auch Deutschland.

Hamburg - Dass E-Books in Deutschland vom echten Verkaufsschlager noch weit entfernt sind, sieht man beim ersten Blick auf die Hitliste des Amazon-Readers Kindle: Neben Top-Gratis-Sellern wie der Evolutionsbroschüre "Feuchten Fußes" finden sich hier Ratgeberbücher, die einzig und alleine mit einem Veriss aufwarten können. Deutschland ist - was elektronische Bücher angeht - noch ein Entwicklungsland.

Nur etwa ein Prozent aller Bücher sind hierzulande E-Books. In den USA liegt der Anteil mit 20 Prozent schon deutlich höher. Und er wächst rasant

Entsprechend hart wird um jedes Stück des neu zu verteilenden Kuchens gerungen. Zwischen Verlagen auf der einen und dem US-Versender Amazon Börsen-Chart zeigen mit seinem Lesegerät Kindle auf der anderen Seite ist ein Stellungskrieg in Gang, der auch Europa bald erreichen könnte.

Einen Eindruck davon, mit welch harten Bandagen gekämpft wird, gab kürzlich das Vorgehen des US-Justizministeriums gegen fünf Buchverlage sowie gegen den Computerriesen Apple Börsen-Chart zeigen . Der Vorwurf: Illegale Preisabsprachen, die die Kunden hunderte Millionen Dollar kosteten. Weil auch europäische Kunden geschädigt worden sein sollen, ermittelt auch die EU-Kommission.

Agenturmodell versus Großhandelsmodell

Im Zentrum der Ermittlungen stehen angebliche konspirative Treffen in New Yorker Restaurants, bei denen die Verlage Preisabsprachen gegen ihren Mitwettbewerber Amazon ausgekungelt haben sollen. Der hatte, um die Verkäufe seines eBook-Lesegerät Kindle anzukurbeln, die Preise vieler E-Books auf unter zehn Dollar gesenkt - und sich so 90 Prozent des US-Marktes für elektronische Bücher gesichert.

Das missfiel der Konkurrenz. Anlässlich der Einführung des iPad einigte sie sich auf das sogenannte Agenturmodell. Statt des bislang geltenden sogenannten Großhandelsmodells, bei dem die Verlage mit Amazon einen Überlassungspreis aushandeln und der Onlineversender den Endpreis für den Kunden dann selbst festsetzte, überließ das Agenturmodell den Verlagen die Preisgestaltung und sicherte Apple Börsen-Chart zeigen als Betreiber der Verkaufsplattform iTunes und Zahlungsabwickler 30 Prozent des Umsatzes zu.

Kaum war das Agenturmodell durchgesetzt, stiegen die Preise für viele E-Books wieder. Und auch die Dominanz Amazons im Markt für Lesegeräte schwand. Der Marktanteil von Amazon ging auf 50 bis 60 Prozent zurück - und ließ Platz für Mitbewerber wie Barnes & Noble, Apple, Kobo oder Sony Börsen-Chart zeigen .

Ob der Onlinebuchversender selbst etwas mit der Klage etwas zu tun hat, ist unklar. In solchen Fällen befrage "man eine ganze Vielzahl von Unternehmen in dem betroffenen Sektor", erklärte ein Sprecher von EU-Wettbewerbskomissar Joaquin Almunia gegenüber manager-magazin.de. "Die Namen der betroffenen Unternehmen veröffentlichen wir aber prinzipiell nicht."

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