Mittwoch, 13. Dezember 2017

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Schlecker-Insolvenz Ein Fall für Finanzinvestoren

Schlecker-Filiale: 30.000 Beschäftigte bangen um ihre Jobs. Die Drogeriekette ist zwar pleite, aber nicht verloren.

Schleckers Insolvenz kommt plötzlich, aber nicht überraschend. Monatelang kämpfte der einstige Drogeriekönig vergebens ums finanzielle Überleben. Jetzt kann nur ein Finanzinvestor das Unternehmen und seine 30.000 Beschäftigten in Deutschland noch retten.

Hamburg - Zuletzt konnte Schlecker seine Finanznot selbst vor den Kunden nicht mehr verbergen. In den Regalen klafften gewaltige Lücken. In vielen Filialen mangelte es selbst an Basisartikeln wie Hautcréme oder Zahnpasta.

Die Schlecker-Führung reagierte mit verzweifelten Rettungsversuchen. Verbliebene Restbestände wurden verscherbelt. Schlecker-Bezirksleiter kutschierten in Firmen-Golfs frei gewordene Waren in benachbarte Geschäfte. Zugleich schloss das Unternehmen im Rekordtempo unrentable Filialen.1400 Läden allein im vergangenen Jahr.

Es war ein Wettlauf gegen die Zeit. Schlecker musste Verlustbringer abstoßen und gleichzeitig möglichst viel Geld eintreiben, um Ware erwerben und die Mitarbeiter bezahlen zu können. Diesen Wettlauf hat Schlecker nun verloren: Die Drogeriemarktkette hat angekündigt, Insolvenz anmelden zu wollen.

Durch die Planinsolvenz wird das Unternehmen sich erst einmal Luft verschaffen können. Bis zu drei Monate lang zahlt die Arbeitsagentur nun die Löhne. Danach will Schlecker mit der Gewerkschaft Verdi einen Sanierungstarifvertrag aushandeln. Der dürfte die Konditionen für die Mitarbeiter deutlich verschlechtern - und den Druck auf Schlecker senken.

Distressed-Fonds auf der Lauer

Um das Unternehmen dauerhaft in seiner Substanz bewahren zu können, braucht Schlecker überdies frisches Kapital. Mindestens 250 Millionen Euro, schätzen Branchenkenner, benötigt die Drogeriemarktkette derzeit, um den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten und die Restrukturierung fortzusetzen zu können.

Wie manager magazin bereits im November berichtete, sucht der Drogist längst intensiv nach Geldgebern. Mehrere Investoren wie Apax oder Bain Capital haben sich das Unternehmen bereits angesehen. Sie waren jedoch nicht bereit, eine Kaufpreis für Schlecker zu bezahlen. Nun könnte ein Finanzinvestor wohl zum Nulltarif die Kontrolle übernehmen. Die Gründerfamilie dürfte ihre Mitspracherechte verlieren.

Sogenannte Distressed-Fonds liebäugeln schon länger mit einem Engagement bei Schlecker. Investoren wie Oaktree setzen gezielt auf derartige schwere Sanierungsfälle. Der ehemalige Edeka-Chef Alfons Frenk sondiert im Auftrag Schleckers schon seit einigen Monaten diverse Beteiligungsmodelle, unter anderem den Einstieg mehrerer Investoren.

Ein externer Geldgeber wird Schlecker von Grund auf sanieren müssen. Es drohen schmerzhafte Einschnitte, auch für die Belegschaft: Mindestens 1000 weitere Filialen, so schätzen Insider, stehen zur Disposition - zusätzlich zu den bereits eingeplanten Schließungen. Am Ende dürfte es in Deutschland höchstens noch 5000 Schlecker-Märkte geben. Ursprünglich waren es einmal 11.000.

Nur eine radikal gesund geschrumpfte Firma Schlecker wäre dauerhaft überlebensfähig. Die gute Nachricht: Schlecker ist zwar pleite, aber noch nicht verloren.

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