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30.12.2011
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Feuerwerk
Der Raketenmann

Von Kristian Klooß

Comet-Chef Richard Eickel: "Ich mag die alle nicht"

Comet-Chef Richard Eickel: "Ich mag die alle nicht"

Richard Eickel hat als Geschäftsführer der Comet Feuerwerk einer kleinen Branche seinen Stempel aufgedrückt. Kaum jemand hat das Geschäft mit Silvesterraketen in den vergangenen Jahren so verändert. Ein Porträt.

Bremerhaven - "Der größte Wettbewerb in unserer Branche", sagt Richard Eickel, "der findet in der Silvesternacht beim Blick über Nachbars Gartenzaun statt." Und zwar immer dann, wenn es heiße: "Mensch, das ist ja ein tolles Ding! Was hast du denn dafür bezahlt?", erzählt Eickel, lacht und zieht an seiner Zigarette. "Und wenn der Nachbar für sechs Euro doppelt so hoch schießt wie Sie für zehn Euro, dann fängt das neue Jahr schon schlecht an."

Was der Geschäftsführer der Comet Feuerwerk GmbH beschreibt, ist das Schicksal einer Branche, die ihre Existenz einer einzigen Mitternacht im Jahr verdankt. Eine Branche, die ein Jahr lang darauf hinarbeitet, alles, was sie geschaffen hat, in einer halben Stunde explodieren zu sehen.

Wie viele Unwägbarkeiten mit dem Feuerwerksgeschäft verbunden sind, ist hingegen kaum bekannt. Und kaum jemand weiß dies besser als Richard Eickel, der unter dem Dach des Hongkonger Mutterkonzerns Li & Fung zugleich Chef eines deutschen und eines englischen Feuerwerkherstellers ist.

"Nehmen Sie nur das Beispiel China", sagt Eickel. Dort sei erst im Jahr 2007 der Verkauf von Feuerwerk erlaubt worden. Seitdem sei der Markt geradezu explodiert. Während in Deutschland in diesem Jahr voraussichtlich rund 120 Millionen Euro für Silvesterknaller und Raketen ausgegeben würden, dürfte es in China in diesem Jahr mindestens das Doppelte sein, schätzt der Manager - mit steigender Tendenz. "China ist heute unser größter Wettbewerber."

China ist der größte Wettbewerber

Und das hat Konsequenzen: Immer häufiger höre er Sätze wie: "Ihr lieben Deutschen, ihr seid zwar nett, ihr zahlt immer pünktlich, aber ihr lauft mit euren Zeichnungen hier bei uns durch die Bude und erzählt uns was von Millimeter und Zehntelmillimeter beim Feuerwerk", sagt Eickel. Wenn dann bei Abweichungen Ware gesperrt und neu produziert werden müsse, sei es für die chinesischen Anbieter oft einfacher, die Produkte am heimischen Markt abzusetzen.

Seit einigen Jahren erschweren noch weitere Probleme das Geschäft. So lässt die Comet-Mutter Li & Fung die für den Export gedachten Raketen in der Provinz Hunan zusammensetzen, die fern der Hafenregionen im Landesinneren liegt. "Früher war das sehr komfortabel, auch was die Löhne betraf", sagt Eickel. Inzwischen jedoch siedelten sich immer mehr andere Branchen und Unternehmen in Hunan an und kehrten den teuren Küstenstandorten Hongkong oder Shanghai den Rücken. "Direkt neben unserer Fabrik hat jetzt ein Unternehmen aus der optischen Industrie aufgemacht, das dort 30.000 Mitarbeiter beschäftigt." Diese Firmen kämen und sagten den Mitarbeitern, "bei uns kriegst du mehr Geld und bei uns darfst du sogar rauchen", sagt Eickel, während er über dem Tischaschenbecher die Asche von seiner Zigarette schnippt.

Steigende Rohstoffpreise - etwa für Papier und Öl - treiben die Preise zudem seit Längerem in die Höhe. Und wenn der Manager über die Transportkosten per Schiff von China nach Europa spricht, verdüstert sich seine Miene. "Es gibt gewisse Lagervorschriften, und es müssen ein paar mehr Dokumente ausgefüllt werden." Doch ob es gerechtfertigt sei, dass sein Unternehmen für einen 40-Fuß-Container rund 8500 Dollar zahle, während die normalen Frachtraten bei rund 1200 Dollar liegen, dafür habe er wenig Verständnis. "Da sind die Bandbreiten schon erstaunlich."

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Zur Person

Richard Eickel übernahm als Branchenneuling im Jahr 2004 die Geschäftsführung der damals hochdefizitären Comet Feuerwerk GmbH. Der 47-Jährige krempelte daraufhin nicht nur sein Unternehmen um, sondern wirbelte die gesamte Branche auf.
Heute schreibt die Comet Feuerwerk GmbH wieder Gewinne und ist die Nummer zwei im deutschen Markt für Silvesterknaller und Raketen. Knapp 30.000 Verkaufsstellen von Kunden wie Rewe und Metro werden von den Bremerhavenern beliefert. Die Mitarbeiterzahl liegt im Laufe des Jahres bei rund 70 Stammkräften. Anfang September kommen noch einmal bis zu 100 Saisonkräfte hinzu, von denen manche bis zum März mit der Aufbereitung der Retouren zu tun haben, die dann kommendes Silvester erneut verkauft werden.









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