30.09.2011
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Medienriesen
Springer will WAZ-Gruppe kaufen

Von Klaus Boldt

Kampf um die WAZ: Die Akteure im Übernahmepoker
Fotos
DPA

Milliardenpoker unter Medienriesen: Die Axel Springer AG will nach Informationen von manager magazin die WAZ-Gruppe kaufen und bietet 1,4 Milliarden Euro für das gesamte Unternehmen. Es ist ein Gegenangebot mit hoher Prämie - zuvor hatte Anteilseignerin Petra Grotkamp den übrigen Eignern angeboten, deren Hälfte für 470 Millionen Euro zu übernehmen. Nun droht eine Bieterschlacht.

Hamburg - Die Lage bei der Essener WAZ-Mediengruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung""Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung" oder der "Westfälischen Rundschau") wird zunehmend unübersichtlich. Nachdem manager magazin Ende August über einen bevorstehenden Eigentümerwechsel berichtet hatte, steht das Unternehmen, einer der größten Regionalzeitungsverlage Europas (Umsatz: 1,1 Milliarden Euro), erneut im Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Die WAZ gehört zu jeweils 50 Prozent den Nachkommen seiner Gründer: den drei Töchtern von Jakob Funke und den drei Enkelkindern von Erich Brost. Zwischen beiden Familien herrscht unbedingte Parität. Ende August aber hatte die Funke-Tochter Petra Grotkamp (67), Ehefrau des früheren WAZ-Chefs Günther Grotkamp (84), den Brost-Erben das Angebot gemacht, deren Hälfte für rund 470 Millionen Euro zu übernehmen. Dem Verkauf, über den die Beteiligten bereits Einigkeit erzielt haben, muss jedoch noch Rechtsanwalt Peter Heinemann zustimmen, der Sohn des früheren Bundespräsidenten: Er ist Testamentsvollstrecker für die Brost-Enkel und prüft derzeit das Grotkamp-Angebot.

Mitten in diesen Verkaufs- und Prüfungsprozess hinein, der ohnedies schwierig genug ist, weil nicht nur die Familie Funke untereinander zerstritten ist, sondern auch den Brosts in der Vergangenheit nie sonderlich zugetan war, platzt nun ein Gegenangebot: Die Lage spitzt sich zu, die Situation ist dramatisch, der Kampf um die WAZ erst jetzt vollends entbrannt.

Eine Sprecherin der Axel Springer AG bestätigte am Freitag Abend die Meldung von manager magazin. "Axel Springer hat für Teile der WAZ-Gruppe ein unverbindliches Angebot abgeben", sagte die Sprecherin. Die Offerte stehe vorbehaltlich der kartellrechtlichen Untersuchung und einer Prüfung der Bücher.

Fünfseitiges Schreiben von Springer

Mit Datum vom 28. September, dem vergangenen Mittwoch, unterbreitete Mathias Döpfner (48), der Vorstandschef der Axel Springer AG ("Bild", "Welt"), eine neue, höhere Offerte für die WAZ: In einem fünfseitigen Schreiben ("Indikatives Angebot zum Erwerb von WAZ-Geschäftsbereichen") sowohl an die Mitglieder der Familie Funke als auch den Testamentsvollstrecker der Brosts, Peter Heinemann, teilte Döpfner in freundlich-optimistischem Ton mit, dass seiner Meinung nach Zeitungen und Zeitschriften "auch langfristig ... eine attraktive Zukunft haben", und dass "von unserer Seite nach wie vor ein erhebliches Interesse an einem Erwerb der WAZ-Beteiligungen in Österreich an 'Krone' und 'Kurier'" bestehe. Auch das Zeitschriftengeschäft der WAZ sowie einige Regionalzeitungen und Anzeigenblätter, setzte er fort, möchte Springer übernehmen.

Detailliert geht der Springer-Chef auf die einzelnen Sparten ein:

• "Krone" und "Kurier": Springer geht davon aus, dass der Wiener Mediaprint-Verlag "bei Umsatzerlösen in 2011 von rund 460 Millionen Euro eine nachhaltige Ebitda-Marge von 10 bis 15 Prozent erwirtschaften kann. Auf dieser Basis ... wären wir bereit, für die rund 50 Prozent der WAZ an 'Krone' und 'Kurier' insgesamrt 200 Millionen Euro (debt/cash free) zu bezahlen".

• Programmzeitschriften: "Wir gehen davon aus, dass die Programmzeitschriften der WAZ in 2011 rund 85 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften bei einem Ebitda von 13 bis 15 Millionen Euro. Auf dieser Basis sind wir bereit, insgesamt 90 Millionen Euro (debt/cash free) ... zu bezahlen".

• Frauenzeitschriften: "Wir gehen davon aus, dass die Frauenzeitschriften rund zehn Millionen Euro Ebitda erwirtschaften und bewerten diesen Bereich mit circa 60 Millionen Euro."

• Braunschweiger Verlag sowie Zeitungsgruppe Thüringen: "Wir gehen davon aus, dass der Braunschweiger Verlag bei Umsatzerlösen in 2011 von rund 80 Millionen Euro ein Ebitda von rund 15 Millionen Euro erwirtschaftet und die Zeitungsgruppe Thüringen bei über 100 Millionen Euro ebenfalls rund 15 Millionen Euro Ebitda. Für beide Gruppen sind wir auf dieser Basis bereit, 250 Millionen Euro zu bieten (cash/debt free)."

• Anzeigenblätter: "Bei geschätzten Umsatzerlösen von rund 140 Millionen Euro und einem Ebitda von circa 30 Millionen Euro sind wir bereit, 150 Millionen Euro für diesen Geschäftsbereich zu bieten."

• Auslandsbeteiligungen: "Wir gehen davon aus, dass die ungarischen Verlagsaktivitäten in 2011 rund 40 Millionen Euro Umsatz generieren, die serbischen ... rund 80 Millionen Euro sowie die restlichen Mehrheitsbeteiligungen der WAZ im Ausland rund 20 Millionen Euro. Zusätzlich besteht noch eine 50-Prozent-Beteiligung an Europa Press Holding. Insgesamt würden wir die Auslandsaktivitäten mit 20 Millionen Euro (debt/cash free) bewerten.

Inklusive des WAZ-Anteils an der Markt Gruppe, die spezialisiert ist auf Anzeigenportale im Internet, bietet Springer 800 Millionen für die genannten Geschäftsbereiche.

Der Springer-Verlag, heißt es weiter, könne sich auch einen gemeinsamen Kauf der Geschäftsbereiche mit einzelnen WAZ-Gesellschaftern vorstellen, "um unsere jeweilige verlegerische Expertise ... zu bündeln". Selbst das (als gering betrachtete) Risiko einer Untersagung des Kaufs durch das Kartellamt wolle Springer übernehmen.

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