Sonntag, 24. September 2017

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Dreiste Plagiate Ikea ächzt unter Chinas Klon-Kriegern

Vorbild Ikea: Westliche Marken werden in China systematisch kopiert - mittlerweile inklusive Design und Geschäftsmodell der Unternehmen

Chinesische Unternehmer perfektionieren die Kunst der Raubkopie: Statt einzelner Produkte ahmen sie jetzt ganze Shopkonzepte westlicher Marken täuschend ähnlich nach. So jagen die Billigklone internationalen Konzernen Marktanteile ab. Eines der ersten prominenten Opfer kommt aus Schweden.

Kunming - Sieht aus wie Ikea: Der Möbelladen strahlt im fröhlich-schwedischen knallgelb und himmelblau. Fühlt sich an wie Ikea: Kunden wandern durch heimelig dekorierte Musterzimmer, packen günstige Teller, Tassen und Dekoartikel mit dem dezenten Druck "made in China" in ihre überdimensionierten blau-gelben Tragetaschen und notieren sich mit den immer irgendwie zu kleinen Stummelbleistiften die Namen der Möbel, die bald das heimische Wohnzimmer schmücken sollen. Schmeckt nur nicht wie Ikea: Im Restaurant gibt es keine Hotdogs, keine schwedischen Köttbullar mit Preiselbeermarmelade, sondern Schweinefleisch in Minzsauce. Kein Wunder.

Die Möbelhausfilialen stehen im chinesischen Kunming, einer Millionenstadt südwestlich von Peking. Und sie gehören nicht zu der bekannten schwedischen Möbelkette, sondern dem chinesischen Möbelhändler 11 Furniture.

Schon seit 2004 stehen zwei dieser geklonten Ikea-Filialen in Kunming, ohne dass sich jemand groß daran störte. Erst als jetzt Bilder der chinesischen Möbelhäuser über das Internet verbreitet wurden, sorgten sie für Aufregung. "Was chinesische Unternehmer in den kleineren Städten außerhalb der großen Metropolen treiben, haben westliche Konzerne oft nicht auf dem Schirm", sagt Niklas Schaffmeister, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Globeone und Experte für den chinesischen Markt. Die Millionenstadt Kunming ist nach chinesischen Maßstäben eine solche unbeobachtete Kleinstadt.

Konzerne wie Ikea oder Apple Börsen-Chart zeigen starten mit ihren Filialen meist in Metropolen wie Peking oder Shanghai. Mit der weiteren Expansion ins chinesische Hinterland lassen sie sich dagegen Zeit. "Auch in den kleineren Städten wollen die Kunden aber Teil des Global Village sein - durch Auslandsbesuche, aus den Metropolen und durch das Internet kennen sie westliche Marken, finden aber vor Ort keine passenden und erschwinglichen Angebote", sagt Schaffmeister.

Ebenso Findige wie windige chinesische Unternehmer springen in diese Lücke. Über unbeholfene Kopierversuche wie etwa die dem Nike-Logo nachgeahmten "Nibe"-Stores oder billige Armbanduhren mit einem Rolex-Logo sind diese Kopisten längst weit hinaus. "Diese Unternehmer eröffnen keine klassischen Fake-Stores, sie schreiben also nicht einfach einen bekannten Markennamen auf Billigprodukte", sagt Schaffmeister. Vielmehr kopieren sie "Look and Feel" einer bekannten westlichen Marke, bilden also Design und Geschäftsmodell täuschend echt nach. So, wie bei den geklonten Möbelhäusern in Kunming.

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