Dienstag, 27. September 2016

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Möbelhandel Internetanbieter wollen die Branche umkrempeln

Möbel aus dem Netz: Drei Firmenkonzepte
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Myfab

Jeder siebte Deutsche kauft mittlerweile Möbel im Internet. Während alte Einzelhandelskonzepte wie die Designläden von Habitat unprofitabel wurden,  bietet das Onlinegeschäft neue Nischen für junge Unternehmen mit guten Ideen. So entstehen mit überschaubarem Aufwand völlig neue Möbelmarken.

Hamburg - Der Möbelmarkt ist im Umbruch. Alte Konzepte, wie die in den späten 1960ern gegründete und lange profitable Designmöbelkette Habitat, haben sich überlebt - das Großbritannien-Geschäft steht seit kurzem unter Zwangsverwaltung, die Filialen in anderen Ländern werden verkauft. Dabei ist das Möbelgeschäft eigentlich eines, in dem sich gut Geld machen lassen müsste.

Um die 30 Milliarden Euro geben die Deutschen Jahr für Jahr für Möbel und Einrichtungsgegenstände aus. Und sie sind es gewohnt, in einem Geschäft ein Sofa oder einen Tisch zu bestellen und dann geduldig drei Monate auf die Lieferung zu warten. Außerdem sind die Margen in manchen Fällen hoch: Ein Sofa, das in China produziert wird, kann den hiesigen Käufer das Vielfache des Einkaufspreises kosten. Zwischenhändler und Möbelgeschäfte können dann mitverdienen. Doch solch günstige Gewinnsituationen haben bei weitem nicht alle Möbelhersteller, und so wird der Markt neu sortiert.

Vor allem im Internet tun sich Sparmöglichkeiten auf, für all diejenigen, deren Markenname direktes Kundenumschmeicheln zu erfordern scheint: Keine teuren Läden, Kunden und Hersteller können direkt zueinander finden. Die ersten Möbelhändler dieser Generation versuchen das.

Vor gut zwei Jahren kam das französische Unternehmen Myfab als erster reiner Onlinemöbelhändler mit eigener Produktion und eigenen Designern an den deutschen Markt, wenige Monate später folgten die ersten Nachahmer - und nun rückt die zweite Generation bereits wieder inhaltlich von der ersten ab und will den Onlinehandel schon wieder neu definieren.

Acht Millionen Deutsche kaufen laut einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands Informationswirtschaft Möbel online - vor allem Verbraucher zwischen 30 und 49 Jahren. "Ich bin der festen Überzeugung, dass der Möbelhandel sich derzeit so verhält wie vor 15 Jahren der Buchhandel, vor zehn Jahren die Fashion-Industrie und vor fünf Jahren der Schuhhandel", sagt Marc Appelhoff. Der Geschäftsführer von Fashion for Home bietet mit seinem Partner Christoph Cordes Designermöbel auf einer eigenen Internetplattform an. "Früher hat niemand geglaubt, dass die Kunden im Internet Bücher kaufen würden, wo sie sie nicht anfassen und nicht darin blättern können. Später hieß es, Schuhe könne man nicht kaufen, ohne sie anzuprobieren. Und heute heißt es immer noch, man müsse auf einem Sofa gesessen haben, bevor man es kauft. Wir glauben das nicht."

Glorreiche Zeiten

Appelhoff, dessen Firma nach eigenen Angaben "eine ordentliche fünfstellige Kundenzahl" mit einer "wachsenden Quote an Wiederkäufern" hat, prophezeit der Branche glorreiche Zeiten: "Der Onlinehandel für Möbel und Einrichtungen hat eine Wachstumsrate von mehr als 30 Prozent, die Marktpenetration wird in den nächsten Jahren auf bis zu 20 Prozent steigen. In fünf bis zehn Jahren haben wir entsprechend ein Potential von sechs Milliarden Euro Umsatz in Deutschland. Wir können also noch lange wachsen, bis es in diesem Markt um Verdrängung geht."

Begonnen hatte Fashion for Home als Copycat des französischen Unternehmens Myfab. Dessen Gründer Stéphane Setbon hatte ein völlig neues Geschäftsmodell entwickelt: Die Kunden stimmen darüber ab, welche Entwürfe auf der Myfab-Internetseite angeboten werden sollen. Dann werden Bestellungen für diese potentiellen Bestseller gesammelt und die entsprechende Stückzahl in Shanghai, mittlerweile auch an anderen Standorten, produziert. Das ganze Procedere dauert nur wenig länger als eine Bestellung im konventionellen Möbelhandel - und soll bis zu 70 Prozent günstiger sein. Nach eigenen Angaben hat Myfab, das in Deutschland vor knapp zwei Jahren an den Start ging, hier 145.000 Produkte an 75.000 Kunden verkauft.

Allerdings hatte das Unternehmen die Probleme der Logistik unterschätzt - auf Facebook häuften sich Kommentare erboster Kunden, die über nicht eingehaltene Lieferzeiten klagten. Nachdem der französische Investor PPR vor einem Jahr bei Myfab einstieg, gab es einen neuen Chef: Setbon wurde von Gilles Villautreix abgelöst. "Ich komme aus der Industrie, und ich glaube daran, dass Erfolg aus zwei Komponenten besteht", erläutert der, "zum einen das Konzept, und darin war Myfab schon immer genial. Zum anderen die Ausführung. An der hat es gehapert. Deshalb wurde ich eingestellt, um das Boot wieder in das richtige Fahrwasser zu bringen: Logistik, Website, Organisation."

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