Sonntag, 19. November 2017

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Möbelhandel Internetanbieter wollen die Branche umkrempeln

Möbel aus dem Netz: Drei Firmenkonzepte
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Myfab

2. Teil: Ganz ohne Haptik geht es nicht

Im September will Myfab einen Relaunch starten - und den Kunden noch mehr Mitspracherecht darüber geben, was produziert werden soll, und direktes Feedback auf der Seite selbst ermöglichen. Jeden Monat schlägt das Unternehmen den Kunden sechs neue Produkte vor. "Ich bin jedes Mal überrascht", gibt Villautreix zu,"bei der Abstimmung geht immer eines klar als Sieger hervor, mit 70 Prozent der Stimmen. Es verteilt sich niemals gleichmäßig." Die Handelsmargen von Myfab, sagt Villautreix, lägen niedrig: "Die anderen wollen 40 Prozent, wir arbeiten mit 25."

Vom Myfab-Konzept des in den Vordergrund gestellten Votings und der reinen On-demand-Fertigung ist Fashion for Home mittlerweile abgerückt. "Myfab war einer der ersten auf dem Gebiet des Online-Möbelhandels, ist aber nicht mehr wirklich visibel", behauptet Appelhoff. Sein Unternehmen hat eine ständige Kollektion aufgebaut, die er als Marke etablieren will - zunehmend auch im Geschäftskundenbereich.

Das ist auch das Ziel von Burkhard Gersch, der sich die Geschäftsführung des ebenfalls seit knapp zwei Jahren aktiven Onlineanbieters Avandeo mit seinem Bruder Ulrich und Brigitte Wittekind teilt. Avandeo versucht, das ursprüngliche Myfab-Konzept als eigene Idee zu vermarkten: Vom Voting über den 10-Prozent-Rabatt für Kunden, die den Siegerentwurf favorisierten, bis hin zu festen Bestellfristen ist das Konzept zum Verwechseln ähnlich. Die Eigenständigkeit des Designs ist allerdings groß.

"Im ersten Geschäftsjahr hatten wir einen siebenstelligen Umsatz, wir wollen achtstellig werden", vermeldet Gersch. Auch er glaubt, dass der Verdrängungswettkampf der Onliner noch auf sich warten lassen wird: "Wir haben alle ein Riesenwachstumspotential. Onlinehandel ist kein Modell, das den Offlinemarkt komplett revolutioniert. Aber es wird definitiv keine Nische bleiben."

Dass es ganz ohne Haptik auch als Internetanbieter nicht geht, ist auch den Onlinern klar. Avandeo betreibt einen Showroom in München, der allerdings nur sonntags für jeweils sechs Stunden geöffnet ist. Und Fashion for Home, das einen Showroom in Berlin hat, ist derzeit auf Tournee: Appelhoff stellt die Bestseller seiner Firma auf einer "PopUp-Tour" in deutschen Großstädten vor, zu der die Kunden der jeweiligen Region eingeladen werden - derzeit in Frankfurt am Main (bis 23. Juli). Das Unternehmen preist die Wohnzimmer-Tour als "außergewöhnliche Idee": Erstmals würden die Fashion for Home-Möbel "der breiten Öffentlichkeit zum Anfassen" präsentiert. Möbel zum Anfassen - das ist nicht wirklich eine revolutionäre Idee.

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