Freitag, 16. November 2018

Willy Bogner Der Entertainer

Ein Stuntman zeigte Nerven: Willy Bogner ist jetzt wieder Filmer, nicht Funktionär

Willy Bogner kennt man als Filmemacher und furchtlosen Skifahrer, als kreativen Kopf und ewigen Hansdampf, zuletzt auch als glücklosen Streiter für Olympia in Oberbayern. Jetzt konzentriert er sich ganz auf sein Münchener Modeunternehmen - und auf die Wunder der 3D-Technik. Einen Börsengang oder Verkauf schließt Bogner als Nachfolgeregelung nicht aus.

Die Firma liegt in einer besonders nüchternen Ecke des Münchner Ostens. Ehemals eine Sauerkrautfabrik, nach dem Krieg von Vater Bogner umgebaut. Schornstein, Schranke, Pförtnerloge.

Hier rattern keine Nähmaschinen mehr, natürlich nicht. Hier sitzen in einem Gewirr von Zweckbauten: Hauptverwaltung, Designbüro, Musterabteilung. Die gesamte Fertigung findet ja längst im Ausland statt, auch dort nicht mehr in eigenen Werken, sondern bei spezialisierten Lieferanten auf der ganzen Welt.

Willy Bogner, 69, blickt aus seinem schönen, hellen Büro in den leeren, grauen Hof. Hinter seinem Schreibtisch hängt ein Graffitti, das mit Filmen und Skifahren zu tun hat.

Wie nähert man sich einer Legende, die eine Kleiderfabrik führt? Fast zu banal wirken Fragen nach Umsatz, Auftragseingang, Markenführung oder Nachfolgeregelung. Doch die Antworten kommen - zwar leise und wie nebenbei, mit etwas weniger Leuchten in den Augen als wenn die eigene schillernde Vita besprochen wird, aber mit ruhigem Ernst.

Eigene Kollektion für Maria Riesch

Dies ist immer noch seine Firma und die seiner brasilianischen Frau Sônia. 1977, als sein Vater starb, haben die beiden übernommen, teilen sich die Anteile heute nur noch mit Bogners Schwester Rosemarie. Den Bruder Michael, der lange die Herren-Kollektion führte, aber vor zehn Jahren ausschied, haben sie abgefunden.

Und es ist eine erfolgreiche Firma, wie Bogner voll Stolz sagt, eine Kapitalgesellschaft, ein gesundes Unternehmen mit 700 Mitarbeitern, mehr als 150 Millionen Euro Konzernumsatz, davon die Hälfte im Ausland erzielt.

Wenn eine Maria Riesch am ersten Tag der Ski-WM in Garmisch eine Bronzemedaille im Super-G holt, dann prangt das B im Kreis auf ihrem Overall. Siegertypen wie ihr spendiert das Haus eine eigene Kollektion.

2010 sei das beste Jahr der Firmengeschichte gewesen, versichert Bogner, und schwärmt von 17 Prozent Vorsteuerrendite. Das Berichtswesen sei tiptop. Vor drei Jahren habe man schon einmal alles fertig gehabt für einen Börsengang, habe ihn dann wegen der Finanzkrise abgeblasen.

Ein Börsengang, der den Bogners die Mehrheit erhält, sei jedoch weiterhin eine klare Option für die Unternehmensnachfolge - irgendwann einmal. Als Vorstandschef stelle er sich dann jemand vor, der die Branche kennt und Marken versteht.

Aber Bogner schließt nicht einmal den Verkauf an einen großen Modekonzern für alle Zeiten aus. "Ich kann mir vorstellen, irgendwann aus der Aufsichtsratsposition heraus, dem Unternehmen beim weiteren gesunden Wachstum zuzuschauen", sagt Bogner. "In unserem Fall, weil wir heißen wie die Marke, werden wir dann aber ganz sicher nicht ohne gefühlsmäßiges Engagement zuschauen können".

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