Samstag, 16. Februar 2019

Air-Berlin-Insolvenz Was Reisende jetzt wissen müssen

Air-Berlin-Maschine

Was bedeutet die Insolvenz von Air Berlin für Flugreisende? Was passiert mit bereits gekauften Tickets und Gutscheinen? Kann man weiterhin buchen? Der Überblick.

Seit Jahren macht Air Berlin Verluste. Nun hat die zweitgrößte deutsche Fluglinie Insolvenz angemeldet. Was bedeutet das für Reisende, die schon Tickets von Air Berlin besitzen? Müssen sie nun fürchten, dass der Urlaub ausfällt? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Fliegt Air Berlin jetzt gar nicht mehr?

Doch. "Alle Flüge der Air Berlin und NIKI finden weiterhin statt", schreibt die Fluggesellschaft auf ihrer Webseite. Flugpläne und gebuchte Tickets blieben gültig, auch alle Flüge seien weiterhin buchbar. Die Bundesregierung sichert den Flugbetrieb von Air Berlin mit einem Übergangskredit von 150 Millionen Euro. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries geht davon aus, dass damit der Flugbetrieb für drei Monate gesichert ist.

Aufgrund des Insolvenzrechts wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen, teilten das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium gemeinsam mit.

Sollte der Flugbetrieb eingestellt werden, was passiert mit meinem Ticket?

Trotz des Brückenkredits durch die Bundesregierung bleibt die Frage, was danach passiert. Falls die Airline tatsächlich ihren Flugbetrieb einstellen müsse, könne es für die Kunden schwierig werden, ihre Ausgaben erstattet zu bekommen, sagte Felix Methmann, Reiseexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), dem SPIEGEL.

Zwar können die Käufer, die ihre Tickets direkt bei Air Berlin gekauft haben, dann ihre Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden. "Die Chance, da wirklich etwas zurückzubekommen, liegen quasi bei null", so Methmann. Zunächst haben andere Gläubiger Vorrang, aus der Konkursmasse bedient zu werden.

Um Fluglinien-Kunden besser abzusichern, hat sich die SPD gerade für eine verpflichtende Insolvenzabsicherung für Airlines ausgesprochen. Eine solche gesetzliche Regelung müsse "auf europäischer Ebene oder sogar international getroffen werden", sagte die tourismuspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Gabriele Hiller-Ohm, dem "Handelsblatt".

Wenn mir durch einen stornierten Flug weiter Kosten entstehen - wer bezahlt?

Falls Air Berlin seinen Flugbetrieb nicht weiterführen sollte, entstehen Kunden zum Teil auch Folgeschäden: Oft haben sie Leistungen wie Hotels und Mietwagen gebucht, die sie bei Ticketstornierung nicht wahrnehmen können. "Auch in diesem Fall bleiben die Kunden auf den Kosten sitzen, wenn sie keine Reiseversicherung abgeschlossen haben", sagt Verbraucherschützer Methmann.

Und wenn ich einen Air-Berlin-Flug als Teil einer Pauschalreise gebucht habe?

Pauschalreisende sind bei Fluglinien-, Hotel- oder Veranstalterpleiten besser abgesichert. Den Veranstaltern ist gesetzlich vorgeschrieben, sich selbst gegen eine mögliche Zahlungsunfähigkeit zu versichern - Kunden erhalten nach der Buchung als Nachweis den sogenannten Sicherungsschein. Außerdem müssen die Anbieter dafür sorgen, dass ihre Kunden bei einer Airline-Pleite dennoch befördert oder ihnen im Zweifel Kosten erstattet werden.

Falls ich etwa bei British Airways eine Verbindung gebucht habe, die zum Teil von Air Berlin durchgeführt wird - was passiert bei einer Stornierung?

Air Berlin arbeitet mit mehreren sogenannten Codeshare-Partnern zusammen, zum Beispiel British Airways, Etihad oder Finnair. Im Fall einer Stornierung eines Air-Berlin-Fluges gibt es zwei Szenarien: "Wenn man den Flug über Air Berlin gebucht hat, sind die Tickets bei einem Ausfall nicht rückerstattbar", sagt Felix Methmann. "Ist das Ticket aber über einen anderen Codeshare-Partner gebucht, liegt es in dessen Verantwortung, den Flug möglich zu machen - oder zu erstatten."

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