Frankfurt/Stuttgart - Die insolvente Drogeriekette Schlecker hat nach Erkenntnissen des Marktforschers GfK in den vergangenen fünf Jahren rund sechs Millionen Kunden verloren. "Allein 2011 wanderten rund zwei Millionen Kunden ab", sagte GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth dem Magazin "Wirtschaftswoche".
Rund 40 Prozent dieser Umsätze seien bei Drogeriemärkten wie dm oder Rossmann gelandet, profitiert hätten aber auch Supermärkte und Lebensmitteldiscounter. "Insgesamt erlebte Schlecker in den vergangenen Jahren einen drastischen Rückgang der Käuferreichweite", sagte Adlwarth.
Vor einigen Jahren hätten noch 60 Prozent aller deutschen Haushalte mindestens einmal im Jahr bei Schlecker eingekauft, heute seien es nur noch 43 Prozent. Verantwortlich für den Kundenschwund seien vor allem die zahlreichen Ladenschließungen und das schlechte Image der Kette.
Handelsexperten empfehlen Schlecker derweil zur Bewältigung der Krise auf den Markennamen "Ihr Platz" zu setzen. Zwar sei Schlecker eines der bekanntesten Handelsunternehmen Deutschlands, sagte der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Manfred Hunkemöller, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der Ruf der Kette sei aber schwer belastet. "Die Diskussionen um Dumpinglöhne und Mitarbeiterschikanen bleiben beim Kunden in Erinnerung", so Hunkemöller.
Ähnlich sieht es der Art Directors Club Deutschland: "Als Marke hat Schlecker seine letzte Chance gehabt und verspielt. Der alte Name und Markenauftritt, wie man ihn vielerorts noch sieht mit engen, dunklen Läden und weiß-blauem Blockschrift-Logo, steht für den Unterschicht-Billig-Drogeriemarkt. Das war nicht Erlebniseinkauf, sondern Warenausgabestation", sagte Präsident Jochen Rädeker der "Wirtschaftswoche".
Baden-Württemberg bietet Bürgschaft an
Hunkemöller empfahl dem insolventen Drogerieriesen zu prüfen, alle Filialen unter dem Namen der Tochtergesellschaft "Ihr Platz" firmieren zu lassen. Nach Untersuchung des IFH genießen die Schlecker-Konkurrenten dm und Rossmann ein deutlich besseres Image unter den Verbrauchern als Schlecker.
Unterdessen hat das Land Baden-Württemberg potenziellen Investoren der insolventen Drogeriekette staatliche Hilfe in Aussicht gestellt. "Sollte das Insolvenzverfahren auf eine Investorenlösung hinauslaufen und ein Investor ein tragfähiges Konzept vorlegen, ist eine Bürgschaft des Landes Baden-Württemberg denkbar", sagte Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) der "Wirtschaftswoche". Darüber hinausgehende finanzielle Unterstützung schloss Schmid aus: "Direkte Hilfskredite an Schlecker wird es aber nicht geben."
Die Drogeriemarktkette hatte am vergangenen Montag beim Amtsgericht Ulm Insolvenz angemeldet. Mit einem Planinsolvenzverfahren soll nun versucht werden, einen Großteil der gut 7000 verbliebenen Schlecker-Filialen mit rund 30.000 Arbeitsplätzen im Lande zu retten.
mh/reuters/dpa
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