Berlin/Osnabrück - Auch die Schlecker-Tochter IhrPlatz geht in die Insolvenz. Sie reichte beim Amtsgericht Ulm einen entsprechenden Antrag ein, sagte ein Schlecker-Sprecher. Betroffen seien rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter.
Am Montag hatte Schlecker selbst Insolvenz angemeldet. IhrPlatz und die Auslandsgeschäfte blieben hingegen außen vor. Das Osnabrücker Unternehmen befinde sich aber in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu Schlecker, so der Sprecher.
Schlecker hatte IhrPlatz Ende 2007 übernommen. Für das Osnabrücker Traditionsunternehmen ist es schon die zweite Insolvenz. Bereits im Mai 2005 war die Kette zum Amtsgericht gegangen, hatte sich danach aber in Eigenverwaltung saniert. Damals wurden knapp 2000 Mitarbeiter entlassen und 80 Läden geschlossen.
Schlecker nimmt Regelbetrieb wieder auf
Die insolvente Drogeriekette Schlecker hat indes am Donnerstag den Regelbetrieb ihres weit verzweigten Filialnetzes wieder aufgenommen. Am Mittwochabend gab Schlecker bekannt, das Unternehmen und der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hätten eine Einigung mit dem wichtigsten Gläubiger Markant erreicht. Demnach will die Einkaufsgemeinschaft ihre Lieferungen an die Drogeriekette wieder aufnehmen. Die Einigung gilt auch für IhrPlatz.
Zahlungsrückstände an Markant waren ein Hauptgrund für die Insolvenz des schwäbischen Unternehmens am vergangenen Freitag gewesen. Rund 30.000 Schlecker-Beschäftigte in Deutschland bangen seither um ihre Jobs.
"Durch die Fortführung der Einkaufskooperation sind Warenbestellungen Lieferungen und Abrechnungen für die Schlecker Märkte in Deutschland wieder sicher gestellt", heißt es in einer Mitteilung. Für Donnerstag sei auch eine Einigung mit Markant über die Belieferung für die Filialen im Ausland geplant, fügte Geiwitz hinzu. "Ich bin zuversichtlich, dass wir auf der Grundlage dieser Entscheidung auch die Gespräche mit den anderen Lieferanten in den nächsten Tagen positiv abschließen können", sagte Geiwitz. Die deutsche Tochter des Konsumgüterkonzerns Unilever
(Dove, Rexona) hatte ihre Lieferungen an die Drogeriekette bereits eingestellt.
Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet
Das Amtsgericht Ulm hatte Geiwitz nach dem Insolvenzantrag am Montag eingesetzt. Das Insolvenzverfahren ist allerdings noch nicht eröffnet. Ziel bleibe "eine zukunftsfähige Lösung für das Unternehmen". Dazu würden in den kommenden Tagen auch die Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft fortgesetzt.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte derweil ein Bündnis zur Unterstützung der Schlecker-Beschäftigten. "Es sind nicht die Beschäftigten, die die finanzielle Misere von Schlecker verursacht haben", sagte Stefanie Nutzenberger vom Verdi-Bundesvorstand. Die Forderung richte sich zum einen an die Lieferanten, die Drogeriemarktkette weiter mit Waren zu versorgen. Aber auch die Kunden seien aufgefordert wie bisher bei Schlecker einzukaufen.
Die beängstigende Zeit der Ungewissheit für die Beschäftigte und ihre Familien müsse ein Ende haben. "Die Frauen und Männer haben einen berechtigten Anspruch zu erfahren, ob ihre Arbeitsplätze für die Zukunft gesichert sind", sagte Nutzenberger. "Dazu kann niemand so schnell und umfassend aufklären wie die Familie Schlecker selbst.
kst/krk/rtr/dpa-afx
© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH