Von Cornelia Knust, München
mm: Da Adidas seit Jahrzehnten Produkte nur noch entwickelt und vermarktet: Hat der Konzern das verfahrenstechnische Know-how nicht längst aufgegeben?
Henke: Dieses spezielle Know-how über die Zusammensetzung von Rezepturen hatten wir nie, auch Adi Dassler nicht, als er Schuhe noch handwerklich in seiner Werkstatt fertigte. Was wir tun können, ist, für unsere Partner vorbildliche Praktiken ausarbeiten und mit gutem Beispiel vorangehen.
mm: Vielen Umweltschützern ist das zu wenig
Henke: Wenn die pauschale Aussage lautet, Herstellung von Sportartikeln heißt Umweltverschmutzung und Ausbeutung, dann können wir darauf nicht reagieren. Sobald aber konkrete Vorwürfe und Kritik an uns herangetragen werden, gehen wir sehr transparent damit um und geben schnell eine klare Antwort. Das für sich zeigt doch schon unser ehrliches Bemühen, verantwortlich zu wirtschaften.
mm: Wie definiert Adidas eigentlich Nachhaltigkeit?
Henke: Nachhaltigkeit ist ein Faktor zur Aufrechterhaltung des langfristigen Unternehmenserfolgs. Sie dient zudem dem Schutz der Glaubwürdigkeit und Reputation des Unternehmens und ist wichtig für das Risikomanagement. Sie macht Prozesse schlanker, klüger und besser.
mm: Das klingt, als ob sie nur Schadenabwehr betreiben, nur auf Einflüsse reagieren, die von außen an Sie herangetragen werden. Gibt es keine eigene moralische Verpflichtung?
Henke: Doch natürlich. Die Mitarbeiter, Kunden und Anteilseigner haben eine ganz klare Erwartungshaltung dazu. Ein Unternehmen muss eine lernende Organisation sein mit der Bereitschaft, Themen aufzunehmen und in die eigene Strategie einzubetten.
mm: Gerade kommt Adidas mit der neuen Marke "neo" heraus: schnell drehende Mode für junge Leute, die meinen, dass sie jeden Monat neue Klamotten brauchen. Kann ein Konzern, der diesen Hype um den Konsum bedient, überhaupt nachhaltig sein?
Henke: Zur Nachhaltigkeit gehören nicht nur Umweltschutz und soziale Verantwortung, sondern auch die Verpflichtung des Unternehmens, profitabel zu bleiben und die Interessen der Arbeitnehmer und Aktionäre zu berücksichtigen. Ich spreche viel mit Analysten, die unsere Leistung in Sachen Nachhaltigkeit bewerten. Da schneiden wir in der Regel sehr gut ab.
mm: Sie sind seit zwanzig Jahren bei Adidas
und haben sich fast die ganze Zeit mit Umweltthemen befasst. Womit hat es damals angefangen?
Henke: Mit der deutschen Verpackungsverordnung und dem Kreislaufwirtschaftsgesetz. Damals habe ich mich als erstes mit dem "Grünen Punkt" in allen seinen Facetten auseinandergesetzt. Dass ich mich gemeinsam mit unseren Lieferanten für Schuhleder einmal mit umweltschonender Rinderzucht im Regenwald am Amazonas beschäftigen würde, hätte ich mir damals nicht träumen lassen.
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