Von Kai Lange
mm.de: Was ist zu tun?
Heise: Die schwachen Zahlen bei Produktivität und Wachstum sind ein Signal an die Wirtschaftspolitik, die Bedingungen für Investitionen und für technologischen Fortschritt in Europa zu verbessern.
Die Politik sollte Investitionen erleichtern: Eine vorgezogene Unternehmenssteuerreform in Deutschland sowie eine Absenkung der Sozialabgaben könnten zum Beispiel ein Impuls für mehr Unternehmensinvestitionen sein.
Die meisten Unternehmen sind durchaus in der Lage, mehr zu investieren - daher rechnen wir auch mit einer besseren Entwicklung ab 2005. Europas Chancen steigen, sich in der zweiten Halbzeit den im Lissabon-Gipfel formulierten Wachstumszielen wieder anzunähern.
mm.de: Was macht sie für die zweite Halbzeit - den Zeitraum 2005 bis 2010 - so optimistisch?
Heise: Die Gewinne der Unternehmen sind gestiegen, die Investitionen aber noch nicht angesprungen. Das ist ein typisches Erscheinungsbild nach einer Rezession. Die Unternehmen haben zunächst ihre Bilanzen gesäubert, Schulden ab- und Wettbewerbsfähigkeit wieder aufgebaut. Durch diese Phase der Konsolidierung müssen wir durch.
Ich gehe aber davon aus, dass die Investitionen der Unternehmen, die eine wesentliche Triebkraft für die Konjunktur in Deutschland und Europa darstellen, schon bald wieder steigen werden: Erstens hat sich ihre finanzielle Situation gebessert, und zweitens hat sich ein deutlicher Ersatz- und Modernisierungsbedarf aufgebaut. Investitionen müssen also kommen, sonst sind die Marktanteile der Firmen auf dem Weltmarkt nicht zu verteidigen.
mm.de: Bedeuten mehr Investitionen auch mehr Jobs?
Heise: Wir meinen, dass das Wachstum in Europa beschäftigungsintensiver wird. Es wird mehr Jobs geben, wenn auch nicht unbedingt hoch bezahlte. Wir sollten nicht übersehen, dass sich auf dem europäischen und speziell auf dem deutschen Arbeitsmarkt einiges bewegt: Es gibt mehr Möglichkeiten zu flexibler Beschäftigung, Teilzeitarbeit, befristeter Arbeit, Mini- oder Niedriglohnjobs.
Dies sind zwar nur kleine Schritte, aber bei sechs Millionen Arbeitslosen in Deutschland muss die Wiedereingliederung von Arbeitslosen Priorität haben. Dies wird wahrscheinlich zu Lasten der Produktivität gehen, und auch für reale Lohnsteigerungen bleibt der Spielraum gering. Dennoch geht auch volkswirtschaftlich kein Weg daran vorbei, wieder mehr Menschen in Arbeit zu bringen. Dafür gibt es - bei steigenden Unternehmensinvestitionen, einem flexibleren Arbeitsmarkt und steuerlichen Erleichterungen für Unternehmen - gute Chancen.
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