Donnerstag, 15. November 2018

Entrepreneur des Jahres 2008 Die Sieger

5. Teil: Gameforge - Die Hobby-Raumfahrer

Die Hobby-Raumfahrer

Sieger Start-up: Klaas Kersting, Alexander Rösner, Gameforge AG, Karlsruhe

Das Internet bietet tausendundeine Welt - und die Möglichkeit, geradezu spielerisch ein eigenes Unternehmen aufzubauen. "Man kann mit zwei Mann etwas vollständig Neues erfinden und Impulse setzen", erklärt Klaas Kersting (28) die Gründung der Gameforge. Das erste Spiel für Hobbyraumfahrer namens OGame entwickelte das Gründerduo aus Frust über die Schwächen anderer Spiele. "Das kann man alles doch besser machen", waren sie überzeugt und starteten so eine Erfolgsgeschichte, die sich wohl nur mit Hilfe des Internets schreiben lässt.

 Klaas Kersting und Alexander Rösner gründeten ihr Unternehmen Gameforge erst vor fünf Jahren - inzwischen ist es der weltweit größte unabhängige Anbieter von browserbasierten Onlinespielen.
Klaas Kersting und Alexander Rösner gründeten ihr Unternehmen Gameforge erst vor fünf Jahren - inzwischen ist es der weltweit größte unabhängige Anbieter von browserbasierten Onlinespielen.
Innerhalb weniger Jahre etablierte sich Gameforge als einer der Marktführer für Onlinespiele in Europa, inzwischen erobern die Karlsruher auch die USA und Asien. "Wir gewinnen täglich 250.000 neue Spieler dazu", sagt Kersting. Zusammen mit dem Informatiker Alexander Rösner (39) startete der Diplomkaufmann 2003 das eigene Unternehmen, das seitdem beinahe jeden zweiten Monat ein neues browserbasiertes Spiel auf den Markt bringt und inzwischen 160 Mitarbeiter beschäftigt.

Und weil sich im Internet schnell herumspricht, welche Spiele etwas taugen, wächst Gameforge weiter rasant. "Wir waren vom ersten Tag an profitabel und wachsen mit einer durchschnittlichen Rate von 350 Prozent", sagt Kersting. Drei Jahre nach der Gründung firmierten die Gründer das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um, ein Jahr später beteiligten sie den Investor Accel Partners, um das schnelle Wachstum finanzieren und absichern zu können.

Anfangs verkauften die Gründer Werbeplatz auf ihren Seiten und in Spielen, inzwischen stammt der Umsatz aus dem Verkauf von virtuellen Gütern. "Wir verzichten auf die als lästig empfundene Werbung", sagt Kersting, "so stieg die Haltedauer der Spieler enorm, was die Einnahmeverluste bei der Werbung mehr als kompensiert hat." Inzwischen tauchen laut der Marktforschung Comscore allein in Deutschland 1,4 Millionen Nutzer pro Monat mit Hilfe von Gameforge in die virtuellen Spielwelten des Internets ab.

Marktforscher schätzen, dass mit Onlinespielen heute weltweit rund 55 Milliarden Euro Umsatz erzielt werden. "Gameforge wird 2008 seine Schlagzahl bei der Entwicklung von Onlinespielen erhöhen und so nicht nur die Marktführerschaft beibehalten, sondern das Tempo angeben", sagt Kersting selbstbewusst. Längst haben die Karlsruher den Weltmarkt ins Visier genommen und wollen auch dort Spitzenplätze erreichen. Anfang 2008 eröffnete Gameforge bereits die erste Niederlassung in den USA.

Die Innovation

Massive Multiplayer Online-Games (MMOG) heißen die Spiele, die Gameforge entwickelt, weil viele tausend Nutzer im Internet gleichzeitig darauf zugreifen und entweder alleine oder gegen andere spielen können. Die Angebote von Gameforge kann jeder kostenlos nutzen. Doch zur individuellen Ausstattung der Spielfiguren verkauft das Unternehmen virtuelle Perücken oder Kleidungsstücke sowie kleine Hilfsprogramme, die die Figuren zum Beispiel schneller agieren lassen.

"Wir verdienen nur Geld, wenn sich unsere Kunden langfristig mit einem Spiel identifizieren", erklärt Mitgründer Kersting. "Das zwingt uns, immer die bestmöglichen Spiele zu liefern." Dabei stellen die Karlsruher sicher, dass auch jene Nutzer mit kleinem Geldbeutel zum Zug kommen. "Vor allem wegen der vielen jungen Spieler, die Gameforge besuchen, achten wir schon bei der Auswahl der kostenpflichtigen Features darauf, dass auch nichtzahlende Spieler im Kampf um erste Plätze mithalten können", sagt Kersting.



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